Tischri
/Paraschat Ha'asinu - Asseret Jemei Teschuva

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Raw Ciner zu Parschat Re'eh 5763

Ein Löffel und ein Griff

"Vielmehr öffnen, öffnen sollst du ihm deine Hand." [Dewarim 15:8]

Zuerst sagt uns die Torah: "Wenn bei dir ein Bedürftiger ist, einer deiner Brüder, in einem deiner Tore, in deinem Land, welches G'tt, dein Herr dir gibt, so sollst du deinem Bruder gegenüber, dem Bedürftigen, dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht verschliessen." [15:7] Das sagt uns klar, dass wir einem Armen eine Spende zukommen lassen sollen. Dann fährt die Torah fort: "Und du sollst ihm sicherlich deine Hand öffnen und ihn mit dem Nötigen versehen, das ihm fehlt." Dies scheint nach einer höheren Stufe von Wohltätigkeit als im vorherigen Gebot zu verlangen.

Es gab einmal einen Juden in Wilna, der sich sehr für die örtliche Geschichte interessierte. Oft ging er im Zuge seiner Nachforschungen auf den alten Friedhof und entzifferte die Inschriften auf den Grabsteinen. Auf diese Art und Weise konnte er sich eine erstaunliche Menge Wissen aneignen.

Eines Tages stiess er auf zwei nebeneinanderliegende Gräber. Gemäss der Inschrift waren die zwei Männer Brüder, beides Talmidej Chachamim (Torahgelehrte), beides aussergewöhnliche Ba'alej Zedaka, Wohltäter. Erstaunlich war, dass beide Steine eine Inschrift aus Ejschet Chajil, dem letzten Kapitel von Mischlej [31:20] (Sprüche Salomons) teilten. Der Text begann auf einem Grabstein mit "sie reichte ihre Handfläche ("Kappa") dem Armen" und endete auf dem anderen mit "und sie streckte ihre Hand ("Jadeha") dem Bedürftigen aus."

Der Mann war überrascht. Erstens hatte er noch nie eine Inschrift gesehen, die über zwei Grabsteine verlief. Und zweitens wird ein Text aus Ejschet Chajil fast ausschliesslich für Frauen verwendet. Offensichtlich steckte eine Geschichte dahinter und noch eine interessante dazu. Der Mann besuchte einen der ältesten Mitglieder der Wilnaer Gemeinde und fragte ihn nach der Inschrift. Der alte Mann konnte wirklich eine interessante Geschichte erzählen.

Diese zwei Brüder waren zwei erstklassige Torahgelehrte; zudem waren sie reich, sowie aussergewöhnlich grossherzig und wohltätig. In ihrer Gemeinde ehrte man sie sehr und jedermann bewunderte sie.

Mit einem Mal wendete sich ihr Schicksal zum Schlechten. Einige ihrer Unternehmungen misslangen. Ihre Geschäfte kamen nicht vom Fleck. Die Menschen begannen sich zu wundern und zu tuscheln. Wie konnte das solch wertvollen Menschen zustossen?

Der rabbinische Gerichtshof in Wilna vernahm diese Geschichte auch und begann sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. "Wie kann es sein", verkündete einer der Richter, "dass zwei so vorbildliche Talmidej Chachamim bankrott gehen? Das ist ein Chillul Haschem (Entweihung des g'ttlichen Namens)! Wir müssen etwas dagegen unternehmen."

"Aber was können wir dagegen tun?" fragte ein anderer Richter. "Sollen wir ihnen ein Darlehen geben?"

"Nein, sicher nicht", antwortete der erste Richter. "Wir müssen der Sache auf den Grund gehen und sie wieder ins Lot bringen."

"Aber wie?" fragte der zweite Richter.

"Es gibt einen einfachen Weg", schlug ein dritter Richter vor. "Wir zitieren die beiden Brüder vor Gericht, damit sie uns über alles, was sie in den vergangenen Jahren getan haben, Rede und Antwort stehen. Ich zweifle nicht daran, dass sie uns alle Fragen ehrlich beantworten werden."

Der rabbinische Gerichtshof nahm die beiden für Stunden ins Kreuzverhör und konnte nur ein einziges Fehlverhalten feststellen. Die Halacha [Ketubot 50a] schreibt vor, dass ein Mensch höchstens einen Fünftel seines Vermögens für Wohltätigkeit weggeben darf; die Brüder überschritten diese Grenze jedoch öfters. Ihr einziges Vergehen war, dass sie zuviel Wohltätigkeit übten!

Was kann man hier machen? Der rabbinische Gerichtshof stellte fest, dass man nicht damit rechnen könnte, dass die Brüder die vorgeschriebenen Grenzen einhielten. Deshalb nahmen sie ihre Finanzen unter ihre eigenen Fittiche und bestimmten, dass jeder, der für eine wohltätige Spende an die Brüder herantreten möchte, sich an den Verwalter wenden solle, den der rabbinische Gerichtshof über die Vermögenswerte der Brüder gesetzt hatte.

Die Armen klopften an die Türe der Brüder und diese wiesen sie pflichtschuldigst an den Vermögensverwalter, den der Gerichtshof bestimmt hatte.

"Wir waren schon bei ihm", erwiderten sie. "Er ist bei weitem nicht so grosszügig, wie ihr es gewesen seid. Wir können unseren Kindern niemals von den Almosen, die er uns gibt, zu essen geben."

Das Herz der Brüder schmolz - doch was konnten sie schon tun? Sie konnten nicht mehr über ihr Geld verfügen. So begannen sie, den Armen ihr Tafelsilber aus den Schränken zu geben. Mit der Zeit ging auch dieser Besitz zur Neige - nur ein silberner Löffel blieb ihnen noch.

Als ein Bettler am folgenden Tag an die Brüder herantrat, brachen sie den letzten Löffel entzwei. Einer nahm den Löffelteil und gab ihn dem Bettler und der andere nahm den Griff und gab ihn dem Bettler.

Die Grabsteine erinnern mit einem Wortspiel an diesen Akt aussergewöhnlicher Wohltätigkeit. Und so erschien der Anfang des Verses "sie reichte ihre Handfläche ("Kappa") dem Armen" - "Kappa" bedeutet auch "ihren Löffel" - auf dem ersten Grabstein. Das Ende des Verses "und sie streckte ihre Hand ("Jadeha") zum Bedürftigen" - "Jadeha" bedeutet auch "ihren Griff" - erschien auf dem anderen.

Das ist ein Beispiel zum "Öffnen der Hand" auf höchster Stufe.



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