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Raw Ciner zu Parschat Ejkew 5761 (Beitrag 1)

Raw Ciner zu Parschat Ejkew

In dieser Parascha wird mit Mosches' Ermahnungen fortgefahren. Er fordert Klal Jisrael (das Volk Israel) auf, die Tora zu erfüllen und die spezielle Verbindung mit Haschem (G'tt) beizubehalten. "We'haja ejkev tischme’un [7:12]". Gemäss dem Targum bedeutet "ejkev" "zum Austausch". Als Gegenleistung dazu, dass ihr die Gebote erfüllt, wird Haschem den Bund, den er mit den Stammvätern geschlossen hat, aufrechterhalten.

Raschi erklärt dies jedoch anders. "Ejkev" bedeutet auch Ferse. Falls ihr die leichten/einfachen Gebote erfüllt, auf die der Mensch normalerweise mit den Fersen tritt, ...

Welche Art Mizwot (Gebote) meint Raschi? Der Kli Jakar versteht darunter die "Chukim". Dies sind die Mizwot, deren Begründung uns nie enthüllt wurde. Die Völker verspotten uns wegen diesen scheinbar widersinnigen Mizwot und bringen uns dazu, sie auf die leichte Schulter zu nehmen und sie mit Füssen zu treten.

Rav Aron Kotler szl. gibt eine andere Erklärung. In unserem täglichen Leben haben wir eine Unzahl von Möglichkeiten für Mizwot, die wir, auf der Jagd nach dem grossen Erfolg, auf die leichte Schulter nehmen. Es kommt nicht darauf an, was wir persönlich als den "grossen Erfolg" erachten, sei es auf geistiger oder auf materieller Ebene. Wir vernachlässigen dabei Freundlichkeit und gutes Benehmen. Was hilft es einem Stabhochspringer, immer auf die hohe Stange zu achten, und dabei die Stolpersteine, die vor ihm liegen, zu übersehen?

Er schreibt, dass in Wirklichkeit gerade die unscheinbaren Gegebenheiten den Menschen formen. Chasal (unsere Weisen) lehren, dass zwei unserer grössten Führer, Mosche Rabejnu (unser Lehrer) und David Hamelech (der König) zuerst als Hirten geprüft wurden! Wenn jemand für die Schafe mit Einsatz, Interesse und Aufrichtigkeit sorgt, wird er sich auch um sein Volk auf die gleiche Weise bemühen. Zudem werden die Erfahrungen und Gewohnheiten, die man sich bei "unwichtigen" Dingen zu Eigen gemacht hat, auch bei den "ernsteren" Angelegenheiten angewendet. Ein Mensch, der in seiner Jugend nicht gelernt hat, sich unter Kontrolle zu halten, kann später durch eine unüberlegte Handlung seine ganze Zukunft verspielen.

Die kleinen Dinge, die wir vernachlässigen ... Einer meiner Freunde fragte seine Eltern einmal nach dem Grund für ihr erfolgreiches Eheleben. "Wir sagen uns immer bitte und danke." Wir bemühen uns sehr, zu Fremden und Bekannten höflich zu sein, aber wie sind wir gegenüber unseren Eltern/Ehepartnern/Kindern? Eilen wir einem Fremden zu Hilfe, sind jedoch ein bisschen gemächlich, wenn es darum geht, den Abfallsack hinauszutragen? Die Tränen eines Juden bringen uns dazu, alles in unserer Macht zu tun, um ihm zu helfen, wir stöhnen jedoch, wenn es darum geht, einem unserer Kinder in der Nacht etwas zum Trinken zu bringen. Ist dies nicht auch eine Möglichkeit, jemandem in Not zu helfen?

Die Kleinigkeiten, die wir mit Füssen treten ... Der Talmud [Berachot] beschreibt den Diebstahl von einem Armen. Was kann man von einem Menschen, der nichts hat, noch stehlen? Ihn nicht freundlich zu grüssen! Das ist alles was er hat, und du nimmst es ihm weg! Wieviel Schmerz verursachen wir aus Gedankenlosigkeit?

Die Mischna fragt in Awot: "Welcher Weg soll ein Mensch einschlagen?" Einer der Antworten ist Schachejn tow: "Sei ein guter Nachbar!" Die Frage zielte darauf hin, welcher Weg den Menschen näher zu seinem Schöpfer bringt, der es ihm erlaubt, den Zweck zu erfüllen, für den er in diese körperliche Welt gebracht worden war. Die Antwort ist, ein guter Nachbar zu sein!?!? Jawohl!!! Ein hoher Anteil unseres Umgangs sind unsere Nachbarn. Falls wir mit unseren Nachbarn rücksichtsvoll, hilfsbereit und anständig sind, üben wir uns darin, bessere Menschen zu sein und uns selbst im Griff zu haben.

Diesen Weg soll der Mensch wählen, damit er seine hohe Bestimmung in dieser Welt erfüllen kann. "Ejkev!", warnt Mosche die Kinder Israel. Trete nicht auf die scheinbar unwichtigen Dinge; deine ganze Bindung zu Haschem hängt davon ab!

Gut Schabbes!


Quellen und Persönlichkeiten:
Rabbi Aron Kotler (1891 –1962): Rosch Jeschiwa in Kletzk (Russland) und Lakewood (USA).
Kli Jakar: Torakommentar von Rabbi Schlomo Efrajim von Lunschitz (1550 – 1619): Rosch Jeschiwa in Lemberg (Polen); geistiger Führer der Prager Juden



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