Elul
/Paraschat Ki Tawo

Raw Frand zu Parschat Mass’ej 5770

Verwirrende Ursächlichkeit

"Die Gemeinde soll den Mörder von der Hand des Bluträchers retten und die Gemeinde soll ihn zur Zufluchtsstadt zurückbringen, in der er geflohen war; dort soll er bleiben bis zum Tod des Kohen Gadol (Hohepriester), den er mit dem heiligen Öl gesalbt hat." (35:25)

Ein Mensch, der einen anderen unabsichtlich tötet, ist verpflichtet in eine Ir Miklat (Zufluchtsstadt) zu fliehen und dort zu bleiben, bis der Kohen Gadol stirbt. Wenn er die Ir Miklat verlässt, so darf ein Verwandter des Opfers dessen Tod rächen, indem er seinerseits den Mörder tötet.

Der Passuk sagt uns, dass der Mörder in der Ir Miklat bleiben muss, bis zum Tod des Kohen Gadol "ascher maschach oto beSchemen hakodesch — den er mit dem heiligen Öl gesalbt hat."

Wer ist "er"? Vom Kontext her, bezieht sich das Pronomen “er” im Passuk auf den Mörder. Hat etwa der Mörder den Kohen Gadol gesalbt?

Der Talmud erklärt, dass der Pasuk so geschrieben wurde, um uns eine Halachah zu lehren.

Nicht jedem Mörder wird zugestanden, in den Arej Miklat Zuflucht zu finden. Das Bet Din ist verpflichtet, zu entscheiden, ob ein Mörder Kandidat für die Arej Miklat ist oder nicht.

Was geschieht, wenn der Mord geschah, als der Kohen Gadol noch am Leben war, das Bet Din den Fall jedoch erst entschied, nachdem dieser Kohen Gadol gestorben war, und ein neuer Kohen Gadol gesalbt wurde? Wird dieser Mörder sofort in die Freiheit entlassen?

Der Talmud sagt uns, dass der Mörder erst freigelassen wird, nachdem auch der zweite Kohen Gadol gestorben ist.

Dies, erklärt der Talmud, steht ausdrücklich in unserem Passuk. Dieser Passuk bezieht sich auf den Fall, da ein Mensch durch das Bet Din, zum Verbleiben in der Ir Miklat verurteilt wurde. Wann wird er befreit? Nach dem Tod des Kohen Gadol "ascher maschach oto" — d.h. des Kohen Gadol, der amtierte, als das Bet Din beschloss, dass dem Mörder Zuflucht gewährt werde, nicht desjenigen, der zur Tatzeit im Amt war.

Um den Wortlaut dieses Passuk besser zu verstehen, führt im Meschech Chochma, Raw Meir Simcha von Dvinsk in seiner Erklärung dazu folgendes aus:

Die Gerichtsbarkeit der Torah unterscheidet sich wesentlich von den heutigen Rechtssystemen. Moderne Justiz versucht über die Analyse des Vergehens hinaus die Gedankengänge des Täters nachzuvollziehen, um zu verstehen, weshalb er sein Verbrechen beging. Wurde er als Kind misshandelt? Vielleicht veranlasste ihn die Diskriminierung seiner Rasse, dieses Verbrechen zu begehen? War er gänzlich bei Sinnen, als er das Verbrechen beging? Vielleicht war er verrückt ... Hunderte von Kriminellen werden jedes Jahr freigelassen, weil die Geschworenen oder der Richter meinen, dass sie die Motive des Verbrechers kennen und daher bestimmen, dass der Kriminelle nicht bestraft werden soll.

In Wirklichkeit sind wir Sterbliche nicht in der Lage, die Motive anderer Menschen zu ergründen. Die Gerichtsbarkeit der Torah verlangt, dass die Dajanim (Richter) den Fall aufgrund einer unvoreingenommenen und sorgfältigen Analyse der beweisbaren Fakten beurteilen, ohne nach irgendwelchen mildernden Umständen zu suchen.

In Fällen von unbeabsichtigter Tötung, gibt es klare Vorgaben, nach welchen das Bet Din bestimmt, ob ein Mensch in ein Ir Miklat geht. Für wie lange? Das Bet Din bestimmt die Haftdauer nicht. Der Mörder muss solange dort bleiben, bis der Kohen Gadol stirbt. Ein modernes Justizsystem würde Standardstrafen bestimmen, welche vom Grad der Rücksichtslosigkeit des Mörders abhängen. Dies scheint sehr logisch. Ist das System der Torah unfair? Ist es fair, alle Mörder gleich zu bestrafen, egal, wie gross die Fahrlässigkeit war?

In der Tat, sagt der Meschech Chochma, ist das System der Torah das fairste von allen, denn es ist vom Himmel bestimmt. Im System der Torah, bleibt ein Mensch genau so lange im Ir Miklat, als er benötigt, um für seine Tat zu sühnen. HaKadosch Baruch Hu berechnet die Schuld jedes Mörders, der in eine Ir Miklat geschickt wurde, und beschliesst daraufhin, wie lange der Kohen Gadol im Amt sein soll.

Nehmen wir als Beispiel Re’uwen, der aus Versehen jemanden getötet hat. Aufgrund seiner Fahrlässigkeit und anderer mildernder Umstände, sollte er zwanzig Jahre in der Ir Miklat sein. Wenn zehn Jahre vor dem Mord zwei Kandidaten für das Amt des Kohen Gadol zur Auswahl standen, einer der noch fünfzehn Jahre leben sollte und ein anderer, der noch dreissig Jahre leben sollte, wird Haschem es so fügen, dass jener Kohen der weitere dreissig Jahre zu leben hat, ernannt wird, damit Re‘uwen seine Haftstrafe aussitzt.

Wenn auch Schimon jemanden tötet, doch basierend auf seiner Tat er nur zehn Tage lang Zuflucht suchen sollte, wird Haschem sicherstellen, dass der Kohen Gadol, der während Schimons Zeit im Amt ist, zehn Tage nach Schimons Eintritt in die Ir Miklat stirbt.

Deshalb, so der Meschech Chochma, sagt der Passuk, "ascher maschach oto." Da Haschem den Kohen Gadol entsprechend der Haftdauer, welche die verschiedenen Mörder in den Arej Miklat absitzen müssen, auswählte, ist es als ob die Mörder den Kohen Gadol ihrer Generation ernennen!

Wenn man sich die Anzahl Menschen vor Augen hält, die jeweils gleichzeitig in den Arej Miklat waren, sind die Kombinationen und die Permutationen um zu bestimmen, wer der Kohen Gadol sein soll, jenseits menschlicher Berechnung. Haschem jedoch ist ein Kel Emunah we'ejn Awel – ein G’tt der Treue ohne Ungerechtigkeit (Dewarim 32:4). Haschem wird nie erlauben, dass ein Mensch, der nur zehn Tage Haft verdient, elf Tage in der Ir Miklat bleiben muss, und Er wird keinem Menschen, der zwanzig Jahre verdient, einen Tag erlassen.

Diese Erkenntnis bringt uns zu einer verblüffenden Schlussfolgerung.

Wir betrachten die Welt mit menschlicher Logik und erklären alles wir sehen, mit unserem Verständnis der Umstände.

Wenn wir hören würden, dass ein 83-jähriger Kohen Gadol gestorben ist, so würden wir seinen Tod verstehen. Niemand lebt ewig. Menschliche Erfahrung schreibt vor, dass alte Menschen sterben.

Würde ein vierzig-jähriger Kohen Gadol plötzlich sterben, würden wir uns fragen, weshalb er gestorben sei. Und hören wir, dass er einen Herzinfarkt hatte, so denken wir möglicherweise: "Hat es etwa in seiner Familie Menschen mit Herzproblemen? Rauchte er?"

Der Meschech Chochma lehrt uns etwas Erstaunliches. Was wir als Ursache sehen, ist nicht die eigentliche Ursache. Der Tod des Kohen Gadols geschah nicht wegen Alter, Herzfehler oder einer anderen Krankheit. Der Tod des Kohen Gadols wurde von den Mördern in den Arej Miklat bestimmt, die befreit werden mussten.

Das gleiche Konzept gilt für alle Bereiche unseres Lebens. Was immer wir als den Grund für unsere Gesundheit, unseren Wohlstand und Erfolg oder für den Mangel davon ansehen, ist normalerweise nicht der wahre Grund. Ursächlichkeiten sind sehr verwirrend. Nur Haschem, der G’tt der Treue ohne Ungerechtigkeit, weiss den wahren Grund für die Geschehnisse in unserem Leben.



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