Elul
/Paraschat Ki Tawo

Raw Frand zu Parschiot Mass’ej 5773

Egoistisch, aber trotzdem wirkungsvoll

"Denn in seiner Zufluchtsstadt muss er bis zum Tode des Kohen Gadol (Hohepriesters) verweilen und erst nach dem Tod des Kohen Gadol darf der Mörder in das Land seines Besitzes zurückkehren." (35:28)

Die Torah macht die zu verhängende Verweildauer eines unabsichtlichen Mörders in einer Ir Miklat (Stadt der Zuflucht) von einer ziemlich merkwürdigen Bedingung abhängig: dem Tod des Kohen Gadol (Hohepriesters). Der Talmud [Makkot 11a] besagt, dass die Mütter der Kohanim Gedolim (Hohepriestern) sich Sorgen machten, dass diese Mörder für den Tod ihrer Söhne beten könnten - und brachten daher Essen und Kleidung zu den Arej Miklat (Städten der Zuflucht) in der Absicht, ihre Bewohner glücklich zu machen, damit sie dem Hohepriester nicht den Tod an den Hals wünschen sollten.

Der Talmud fragt, warum die Mütter der Hohepriester so etwas unternahmen. Ein Vers in Mischlej (Sprüche) besagt doch eindeutig: "Ein grundloser Fluch wird nicht über ihn kommen." Man braucht sich nicht vor einem Fluch zu fürchten, der keine Grundlage hat. Warum sollte also die Mutter des Hohepriesters davor Angst haben, dass ihr Sohn aufgrund des Fluches eines Mörders sterben könnte?

Der Talmud Jeruschalmi (Jerusalemer Talmud) erklärt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Fluch und einem Gebet. Ein grundloser Fluch wird nicht umgesetzt, aber es gibt keine Garantie, dass ein ungerechtfertigtes und grundloses Gebet nicht erhört wird.

Es gibt eine weitere Halacha (jüdisches Gesetz) in Bezug auf den Hohepriester, die auf genau dieselbe Lehre verweist.

Wir lesen am Jom Kippur während der Awoda (Schilderung des Tempeldienstes am Jom Kippur) beim Mussaf-Gebet, dass zu Zeiten des Bejt HaMikdasch (Tempels), als der Kohel Gadol das Kodesch HaKodaschim (Allerheiligste) verliess, er ein kurzes Gebet sprach. Wofür betete er zu diesem erhabenen Zeitpunkt?

Eines der Dinge, die er sagte, war: "Bitte ignoriere die Gebete der Wanderer."

Der Hohepriester sorgte sich, dass jemand inmitten einer Reise ein paar Tropfen Regen spüren könnte. Um nicht in einem Gewitter hängen zu bleiben, könnte er dafür beten, dass der Regen aufhören solle. Da dieses egoistische Gebet verhängnisvoll für die Bauern und die Allgemeinheit wäre, musste der Hohepriester einige der erhebendsten Momente dafür aufwenden (als er das Allerheiligste verliess), für die Annullierung solcher Gebete zu beten - weil ihm bewusst war, dass Haschem auch einen einzelnen Wanderer erhören könnte!

Um zu verstehen, wie und warum dies so ist, müssen wir eine Geschichte in der Gemara (Talmud) analysieren.

Der Talmud besagt, dass ein Dämon mehrere Mitglieder der Jeschiwa von Rabbi Acha bar Ja'akow verletzte - und alle ihre Versuche, sich dieses Dämons zu entledigen, schlugen fehl.

Eines Tages hörte Rabbi Acha bar Ja'akow, dass Abaje seine Stadt besuchen würde - und er hatte einen Plan. Er ordnete an, dass niemand Abaje zu sich nach Hause einladen sollte - was ihn dazu zwingen würde, in dieser Nacht in der Schul (Synagoge) zu übernachten, wo die Jeschiwa lernte. Rabbi Acha nahm an, dass Abaje den Dämon antreffen und dafür beten würde, dass er ein für alle Mal verschwinden möge.

In der Tat war es dies, was geschah.

Der Maharscha stellt zu dieser Geschichte eine Frage. Wie konnte Rabbi Acha bar Ja'akow das Leben von Abaje gefährden - unter der Annahme, dass er irgendwie schon lebendig und wohlauf aus dieser Sache herauskommen würde? Woher wusste er, dass ein Wunder nicht nur Abaje, sondern auch die ganze Stadt vor dieser Gefahr retten würde? Selbst unter der Annahme, dass man sich auf Wunder verlassen dürfte (was aber verboten ist), würde ein Mensch, der genügend Verdienste hat, um ein Wunder entstehen zu lassen, seine Verdienste nicht dafür verschwenden wollen, um ihm ein Wunder geschehen zu lassen.

Woher nahm sich Rabbi Acha das Recht heraus, Abaje einen Teil seiner Verdienste verlieren zu lassen?

Der Maharscha antwortet, Rabbi Acha bar Ja'akow hatte gefühlt, dass Abaje imstande sein würde, diesen Dämon durch sein Gebet zu stoppen - nicht durch ein Wunder. Gebete, wie er erklärt, sind Teil der natürlichen Weltordnung - und da es ein Naturgesetz ist, verliert man keinerlei Verdienste, wenn man es anwendet.

Dasselbe bezieht sich auf Gebete unabsichtlicher Mörder in einer Ir Miklat - und auch auf Wanderer, die von Regen heimgesucht werden.

Zwar gibt es tatsächlich keinen Grund dafür, dass Haschem solcherlei Wünschen nachkommen sollte, den Hohepriester sterben zu lassen oder den Regen zu stoppen, weil eine einzelne Person mit nasser Kleidung nach Hause kommen würde. Doch Gebete sind ein natürlicher Teil des Systems, auf dem diese Welt beruht - und sie können auch ohne einen unmittelbar ersichtlichen Grund erhört werden.

Wenn wir anerkennen, wie wirkungsvoll Gebete sind, selbst wenn ein Mensch für ungeheuerliche, unverschämte Dinge betet (dass der Hohepriester sterben möge; dass kein Regen mehr fallen soll), dann wissen wir, um wieviel mehr unsere Gebete wirken können, wenn wir beten, besser Torah lernen zu können, bessere Eltern zu sein, bessere Eheleute und bessere Gemeindemitglieder!

 

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