Raw Frand zu Parschat Chukat 5770

Wir müssen begreifen, dass nicht alles verständlich ist

Die wöchentliche Parscha beginnt mit der Mizwa der Para Aduma (Rote Kuh). Raschi zitiert Chasal (unsere Weisen), dass diese Mizwa als das Beispiel eines "Chok" (uns unverständliches Gebot) bekannt ist.

Diese Mizwa ist eigentlich ein unglaubliches Paradox. Die Para Aduma wurde benutzt, um Menschen zu reinigen, welche Tame Met (geistig unrein durch Kontakt mit einem Toten) waren. Solche Menschen konnten nur durch die Para Aduma wieder rein werden. Die Asche der verbrannten Kuh wurde mit Quellwasser gemischt und auf den Unreinen gespritzt. Andererseits wurde jeder, der mit der Vorbereitung (Schächten und Verbrennen) der Kuh und dem Tragen der Asche der Para Aduma zu tun hatte (ausser dem, der das Gemisch auf den Unreinen sprengte), durch seine Handlung unrein. Das Paradox der Para Aduma ist also, dass sie die Unreinen reinigt und die Reinen verunreinigt.

Unsere Weisen erklären uns, dass sich der Passuk in Kohelet [7:23]: "All dies versuchte ich mit meiner Weisheit zu verstehen; ich sagte ich werde es herausfinden, doch es ist mir fern” auf König Salomon bezieht, der sagte, dass er die ganze Tora verstanden habe, ausser dem Kapitel der Para Aduma, das ihm trotz all seiner Nachforschung unverständlich blieb.

Der Midrasch sagt weiter, dass Haschem zu Mosche sagte, "Dir werde Ich das Paradox der Para Aduma erklären, doch jedem anderen Menschen wird es ein Geheimnis bleiben." Und doch sagt der Midrasch, dass der Ewige uns in der Zeit des Maschiach das Geheimnis der Para Aduma offenbaren wird.

Wir sehen von hier, dass Haschem vorsätzlich und bewusst das Geheimnis der Para Aduma vor uns verbirgt. König Schlomo (Salomon) hätte mit seiner Weisheit die Para Aduma verstehen sollen. Doch der Allmächtige beschloss: "Ich muss dies geheim halten. Es besteht sehr wohl ein Grund für diese Eigentümlichkeiten der Para Aduma. In der Zukunft werde ich sie Klal Jisrael offenbaren, doch jetzt kann niemand diese Mizwa verstehen."

Weshalb? Will der Ewige uns hier bekunden, dass Er klüger ist als wir? Ist dies ein Spiel, dass Haschem etwas vor uns baumeln lässt und uns damit neckt, dass wir unfähig sind, es zu verstehen?

Der Be'er Josef schlägt folgende Antwort vor: Haschem verheimlichte das Verständnis der Para Aduma vor uns, um uns etwas Wichtiges zu lehren. Es existieren Dinge im Leben, die unerklärbar sind. Wir müssen lernen, dass Dinge geschehen, die wir nie verstehen können. Wir werden Dinge mit schrecklichen Paradoxen erleben, Dinge, die scheinbar keine Erklärung haben.

Was ist dieses Gebiet mit Paradoxen, welches Para Aduma sehr ähnelt? Es ist das der Bereich von ‚Zaddik weRa lo‘ und ‚Rascha weTow lo‘ (Zaddik/Frommen, dem es schlecht geht und Rascha/Bösewicht, dem es gut geht). Gleich wie die Para Aduma ein Paradox ist, das für uns überhaupt keinen Sinn macht, so existiert auch im Leben ein Paradox, dem wir immer wieder begegnen.

Logik würde genau das Gegenteil verlangen: Ein Mensch ist rechtschaffen, er ist ein guter Jehudi und dennoch leidet er sehr. Ein anderer Mensch ist böse, er tut alles Verbotene und ist gleichwohl reich und wird von anderen geehrt. Macht dies Sinn? Es ist paradox!

Aus einem gewissen Grund jedoch hat Haschem die Welt so erschaffen. Wir werden mit diesem Thema und Problem zurechtkommen müssen. Also erzog uns G“tt, auch ein Paradoxon zu akzeptieren. Wodurch? Durch die Para Aduma. Die Para Aduma scheint uns eine obskure Mizwa zu sein. Wir lernen darüber im Chumasch. Wir wissen nicht wirklich, wovon die Rede ist. In den Mischnajot existiert ein Traktat namens "Para". Doch nur wenige Menschen studieren es.

Während der Zeit des Tempels waren die Gesetze der Para Aduma äusserst relevant. Sie waren für die damaligen Jehudim so relevant wie für uns die Gesetze von Awelut (Trauern). Wenn der Ewige uns Leben gibt und wir nicht (G’tt behüte) vor unseren Eltern sterben, so werden wir uns alle mit den Gesetzen des Trauerns auseinandersetzen müssen. Sie sind universal.

Leider gehen die Gesetze des Awelut uns alle an. Sie sind jeden Tag des Jahres relevant – von der Festlichkeit eines Jom Kippur zur Ausgelassenheit eines Purims. Sogar Jehudim, die sich mit nichts anderem identifizieren, haben eine Verbindung mit Awelut.

Ebenso real waren auch die Gesetze der Para Aduma in den Zeiten des Tempels. Man kam unweigerlich mit toten Menschen in Kontakt, man ging zu Beerdigungen, man wurde tame. Und was dann? Man konnte keine Kodoschim (Fleisch von Opfer) oder Ma'aser Schejni (der zweite Zehnte) essen; Kohanim (Priester) durften keine Teruma (Priestergabe) essen, und man konnte das Bejt Hamikdasch (Tempel) in Jerusalem nicht aufsuchen, bevor man tahor (rein) wurde.

Deshalb war die Mizwa von Para Aduma sicherlich etwas, dass täglich relevant war. Jedes Mal stand ein Jehudi vor demselben Paradox. Er ging tame hinein und tahor heraus und der Mann, der die Asche der Para Aduma brachte trat tahor ein und ging tame hinaus. Es scheint keinen Sinn zu machen, doch wenigstens soll der Jehudi ein Paradox sehen und sich daran gewöhnen.

Der Jehudi lernte dadurch, dass es Dinge gibt, die scheinbar keinen Sinn machen. Deshalb verbarg Haschem einerseits den Grund für Para Aduma vor uns und deshalb wird Er uns andererseits in der Zukunft die Para Aduma erklären.

Der Talmud zitiert im Traktat Pessachim [50a] den Passuk "An jenem Tag wird Haschem einzig und Sein Name wird einzig sein" [Secharja 14:9] und stellt die Frage, "Ist denn in dieser Welt G’ttes Name nicht einzig?" Die Gemara antwortet, dass wir in dieser Welt beim Vernehmen einer schlechten Nachricht die Beracha "...Dajan haEmet (der wahre Richter)" sprechen und auf gute Nachrichten die Beracha "haTow wehaMejtiw (Der gut ist und Gutes tut)". In der kommenden Welt werden wir jedoch auf alles "haTow wehaMejtiw“ sagen.

Raschi erklärt, dass es in der Zukunft keine schlechten Nachrichten geben wird, denn wir werden verstehen, dass auch Schlechtes gut ist. In der Zukunft wird das Paradox von "Zaddik weRa lo" nicht mehr existieren. Deshalb werden wir dann den Grund für die Para Aduma erfahren, da wir unsere Lektion gelernt haben werden.

Der Magen Awraham zitiert einen faszinierenden Schibole HaLeket in Kapitel 580. Er schreibt "…bezüglich der Tragödie die wegen unserer vielen Sünden geschehen ist, in unseren Tagen 5004 (1244) in welchen 24 Behälter mit Sifrej Tora, Newi‘im, Midraschim und Gemarot öffentlich verbrannt wurden..." Wann geschah dies? "...am Freitag der Woche mit dem Tora-Abschnitt „Dies ist das Chok (Gesetz) der Tora...“ (Chukat)".

Die Jahrzeit (Jahrestag eines schlimmen Ereignisses) jenes schrecklichen Verbrennens war Erew Schabbat Parschat Chukat. Der Schibole HaLeket schreibt (so der Magen Awraham), dass manche Menschen am Freitag von Parschat Chukat fasten als Sühne und um uns an diese schreckliche Tragödie zu erinnern. Der Schibole HaLeket fragt, weshalb wurde das Kalenderdatum dieser Tragödie nicht überliefert? Am wievielten Tammus geschah es? Normalerweise sind Fasttage an einem bestimmten Datum im Jahr - der 17. Tammus, der 9. Aw, der 3. Tischri, etc. Doch noch nie hörten wir über einen Fasttag, der an einen Wochentag gebunden ist!

Der Schibole HaLeket schreibt weiter, dass sie den Himmel anfragten und in einem Traum die Antwort erhielten, dass dieser Fasttag als Erinnerung an dieses Ereignis immer am Erew Schabbat Parschat Chukat sein muss, denn diese Tragödie steht in Verbindung mit dem Wochenabschnitt. Dieses Paradox, dass Sifrej Tora verbrannt wurden, hat nichts mit einem Datum zu tun, sondern nur mit Parschat Chukat.

Die Lektion ist, dass es Dinge gibt, die wir nie verstehen werden, wie z.B.: Sifrej Tora, die verbrannt werden, oder Jehudim, die verbrannt werden oder Zaddikim, die leiden. Deshalb wurde dieser Fasttag vor Parschat Chukat festgesetzt.



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