Raw Frand zu Parschat Chukat 5763 (Beitrag 2)

Erkenne bereits einen kleinen Fortschritt

Wegen der Begebenheit der "Wasser von Meriva" wurde Mosche verboten, das Land Israel zu betreten. Alle Toraherklärer rätseln darüber, was Mosche genau falsch gemacht hatte. Raschis bekannte Erklärung sagt, dass Mosche den Felsen geschlagen hatte, statt zu ihm zu sprechen. Der Rambam erklärt in seinen "Acht Kapiteln", dass Mosche sündigte, als er vor allen Menschen aus der Fassung geriet und sprach: "Höret doch, ihr Widerspenstigen (Schimu nah ha'Morim), werden wir euch wohl Wasser aus diesem Felsen hervorbringen können?" [Bamidbar 20:10] Es scheint, dass Mosche die Geduld mit seiner Gemeinde verloren hatte und sie auf zu strenge Weise tadelte.

Betrachten wir die Erklärung des Rambam etwas näher. Es war Mosches gutes Recht, wütend zu werden. Im Rückblick muss es doch wirklich enttäuschend gewesen sein. Bereits zum zweiten Mal ging es um eine Wasserquelle. Das gleiche Vorkommnis hatte bereits einmal vor vierzig Jahren stattgefunden.

Mosche Rabbejnu konnte mit gutem Recht sagen: "Von diesen Leuten habe ich genug! Nach vierzig Jahren unter meiner Obhut sind sie in ihrem Glauben an G'tt kein Jota vorangekommen." Ist es nicht verständlich, dass Mosche unter diesen frustrierenden Umständen ein wenig "Dampf ablassen" musste. Und doch, sagt der Rambam, wurde ihm genau dies zum Vorwurf gemacht. Er hätte seinen Gleichmut nicht verlieren dürfen.

Um die Erklärung des Rambam besser verstehen zu können, ist es hilfreich, einen feinen Unterschied zwischen den beiden Begebenheiten, bei denen die Kinder Israels sich wegen Wassermangels beklagten, zu betrachten.

In der ersten Begebenheit in Parschat Beschalach [Schemot 17:3] war die Beschwerde folgendermassen formuliert: "Und das Volk hatte dort Durst und murrte gegen Mosche und sprach: "Wieso hast du uns aus Ägypten geführt; etwa um uns, unsere Kinder und unsere Herden vor Durst umkommen zu lassen?""

Hier in Parschat Chukat [Bamidbar 20:4] war die Beschwerde: "Und wieso hast du die Gemeinde G'ttes in diese Wüste gebracht? Nur damit wir und unser Vieh hier sterben?" Die Formulierungen sind fast gleichlautend - ausser einem Wort. In Parschat Beschalach wurde der Vorwurf an Mosche gerichtet, dass er sie in die Wüste gebracht habe, um sie zu TÖTEN. In Chukat war der Vorwurf nur, dass er sie zum STERBEN hierher gebracht hatte. Mit anderen Worten, in Parschat Beschalach beschuldigten sie Mosche des Mordes. Hier beschuldigten sie ihn nur der Fahrlässigkeit - sie würden in der Wüste aus Wassermangel zugrunde gehen. Sie warfen ihm jedoch nicht vor, dass er sie UMBRINGEN wollte.

Die ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Dies zeigt einen "Fortschritt" zu ihren Gunsten. Vor vierzig Jahren hatten sie ihren Führer einen Mörder genannt und jetzt zeigten sie etwas mehr Respekt, als sie mit ihm redeten. Dies war somit ein Schritt in die richtige Richtung. Gemäss dem Rambam wurde Mosche deshalb bestraft, weil er diesen winzigen, kleinen Unterschied nicht bemerkte. Mosche hätte sich über diesen Unterschied freuen sollen. Er hätte sie nicht als "Widerspenstige" abstempeln sollen.

Dies ist eine wichtige Lehre. Dies ist eine mächtige Ermunterung für alle, die sich als Lehrer - oder als Eltern - betätigen. Manchmal muss man einem Kind etwas mit 10 Jahren sagen und es ihm im Alter von 15 wiederholen. Es scheint keinen Strich weiter zu sein als vor fünf Jahren. Wir können den Schülern zu Beginn des Jahres Anweisungen geben und es kann sein, dass wir überhaupt keinen Fortschritt bemerken. Am Ende des Schuljahres kann es vorkommen, dass sich die Schüler, ohne dass man sie nicht dauernd verbessert, weiterhin falsch verhalten. Dies jedoch ist unser Fehlschluss. Manchmal müssen wir genauer hinschauen, um festzustellen, wie etwas formuliert wird oder sogar auf die Körpersprache achten. Sogar eine winzige Änderung des Verhaltens kann bereits einen Fortschritt bedeuten. Das ist ein Fortschritt, der Hochschätzung verdient und keinesfalls brüsk beiseite geschoben werden sollte.

Das ist schwierig. Es ist frustrierend. Wir möchten alle grösseren Fortschritt erkennen. Wir möchten über Nacht eine bedeutende Verbesserung erkennen können. Aber dies ist nicht immer der Fall. Fortschritt geschieht in winzigen Schritten. Das hätte Mosche erfassen sollen. Weil er dies nicht erkannt hatte und unbeherrscht "Schimu nah ha'Morim" rief, ist dies vielleicht der Grund, dass er - bei seiner geistigen Grösse - dafür zur Rechenschaft gezogen wurde.


Quellen und Persönlichkeiten:
Raschi (1040-1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]; Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller Torakommentare“.
Rambam (1135 - 1204): Rav Mosche ben Maimon; Spanien, Ägypten.



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