Raw Frand zu Parschat Chukat 5769

Der Tod von Mirjam - Abschluss aber keine Tränen

In Parschat Chukat lernen wir über den Tod von zwei der grössten Hirten von Israel. Die treuen Hirten, die den Klal Jisrael durch das Ende seiner Zeit in Ägypten und jetzt in der Wüste geführt hatten, waren die drei Kinder von Amram und Jochewed - Mirjam, Aharon und Mosche. In dieser Parscha wird über das Ableben sowohl von Mirjam [Bamidbar 20:1] wie auch von Aharon [Bamidbar 20:28] berichtet.

Im Zusammenhang mit Mirjams Tod drückt sich die Torah auf sonderbare Weise aus: "Dort (in Kadesch) starb Mirjam und dort wurde sie begraben." Was versucht uns der Pasuk mit dieser scheinbaren Wiederholung zu sagen?

Die Torah will Mirjams Tod mit dem ihrer Brüder vergleichen.

Später in der Parscha - als Aharon starb - berichtet die Torah, dass Mosche, Aharon und sein Sohn Elasar auf den Berg Hor Hahar stiegen, doch nur Mosche und El'asar kamen wieder herunter. Ausser Mosche und El'asar wusste niemand genau, wann und wie Aharon gestorben war. Die Leute wurden einfach informiert, dass "Aharon verschieden war."

Alle wussten, dass Mosche Rabbejnu, wegen der Begebenheit bei dem Haderwasser, sterben würde, jedoch - wie uns die Torah gegen Ende von WeSot HaBeracha berichtet - wusste niemand, wo er starb und bis heute wissen wir auch nicht, wo er begraben ist.

Mirjam jedoch starb DORT und wurde DORT begraben. Die Menschen wussten, wann sie starb, wo sie starb und wo sie begraben wurde.

Was bedeuten diese Unterschiede?

Raw Salman Sorotzkin bemerkt dazu etwas sehr Interessantes: Als Aharon starb, schreibt der Pasuk, "Das ganze Haus von Israel (Männer, Frauen und Kinder) trauerte um ihn" [Bamidbar 20:29]. Chasal weisen darauf hin, dass der Tod von Aharon grössere Trauer hervorrief, als derjenige von Mosche Rabbejnu, denn bei Mosches Tod trauerten nur die Männer, als er starb [Dewarim 34:8]. Auf jeden Fall wurde bei Beiden getrauert. Über Mirjams Tod schreibt die Torah aber nur, dass sie starb und begraben wurde. Es wird nichts über eine öffentliche Trauer geschrieben. Raw Salman Sorotzkin frägt: Weshalb nicht?

Raw Sorotzkin antwortet, dass alle diese drei "Hirten" sehr alt wurden, alle über 120 Jahre. Damals erreichten die meisten Menschen kein solches Alter. Wenn alte Menschen sterben, die ein langes und erfülltes Leben hinter sich haben, so wird normalerweise nicht so viel um sie getrauert. Ob dies angebracht ist oder nicht, der Fakt ist, dass die meisten Menschen den Hinschied eines älteren Menschen nicht als eine Tragödie ansehen. Solche Begräbnisse sind nicht sehr emotionell oder von öffentlichem Weinen begleitet, ausgenommen der unmittelbaren Familienmitglieder.

Dies geschah mit Mirjam. Die Menschen wussten, dass sie sterben würde, sie sahen sie sterben und sie sahen wo sie begraben wurde. Es existierte kein emotionaler Abschluss.

Als Aharon starb, rief dies einen grossen Schock hervor. An einem Tag war er noch hier, am nächsten war er fort. Es gab keine Gelegenheit, einen letzten Gedankenaustausch zu haben. Er ging mit seinem Bruder und seinem Sohn zusammen auf den Berg und die anderen zwei kamen wieder herunter, um zu verkünden, dass "Aharon verschieden war." Sie hatten keine Chance, Dinge abzuschliessen und sich zu verabschieden.

Wenn jemand - auch wenn er alt ist - auf dieser Art und Weise von uns weggenommen wird, so ist dies ein Schock, und deshalb gibt es öffentliche Trauer.

Im Fall von Mosche wussten die Menschen, dass er sterben würde. Er kam zu ihnen, um sie das letzte Mal zu segnen und ihnen seine letzten Anweisungen zu geben. Die Menschen verabschiedeten sich von ihm.

Dass sie jedoch nicht an seinem Begräbnis teilnehmen konnten - oder und nicht einmal wussten, wo er begraben war - dies war schwierig zu verkraften. Die Menschen waren traumatisiert durch die Tatsache, dass sie nicht am Begräbnis ihres grossen Führers hatten teilnehmen können, ebenso auch dadurch, dass sie sein Kewer (Grab) nicht besuchen konnten. Dieses Trauma führte zu Tränen und starken Gefühlen, trotz des hohen Alters, dass Mosche zur Zeit seines Todes erreicht hatte.

Mirjam jedoch war eine alte Frau, die ein bedeutendes Leben geführt hatte. Die Menschen wussten, dass sie sterben würde. Sie sahen, wie sie starb und wo sie begraben wurde Geistig orientierte Menschen realisieren die grosse Tragödie, die durch den Tod eines jeden gerechten Menschen entsteht und aus dieser Perspektive war Mirjams Tod wirklich viel Trauer wert. Doch für den durchschnittlichen Menschen gab es einen Abschluss und deshalb gab es wegen Mirjams Tod keine grosse Trauer der Massen.



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