Elul
/Paraschat Ki Tawo

Raw Frand zu Parschat Korach 5770

Schaut, wer Mosche der Ehrsucht bezichtigt!

Korach forderte die Führung von Mosche Rabbejnu heraus. Er klagte: "Du hast dir zu viel Macht genommen (raw lachem), denn alle in der Gemeinde sind heilig, und unter ihnen ist der Ewige; weshalb erhebt ihr euch über die Gemeinde von Haschem?" [Bamidbar 16:3] Raschi sagt auf die Worte "raw lachem" – "viel zu viel Ehre habt ihr euch genommen".

Dies ist die lächerlichste Anklage, die jemand gegen Mosche Rabbejnu erheben konnte. Wie konnte man darauf kommen, den bescheidenen Mosche zu beschuldigen, dass es ehrsüchtig sei? In der vorletzten Parscha steht im Pasuk: "Und der Mann Mosche war ein sehr bescheidener Mann, mehr als irgend ein Mensch auf dem Erdboden!“ [Bamidbar 12:3] Mosche vereinigt in sich eine beeindruckende Anzahl positiver Eigenschaften. Er war Inbegriff eines Rabbiners und eines Führers des jüdischen Volkes. Er war Inbegriff eines Lehrers und eines Propheten. Er hatte so viele positive Eigenschaften. Aus all diesen wählte die Torah jene aus, dass er der bescheidenste Mensch auf der Erde war. Bescheidenheit war seine stärkste Eigenschaft.

Wenn man einen Aufstand gegen einen Führer beginnen und die Leute aufhetzen will, so wäre es logisch, eine Charakterschwäche des Führers zu suchen und dann diese aufzubauschen. Niemand ist perfekt. Was wäre eine logische Reklamation gegen Mosche Rabbejnu? Soll Korach reklamieren, dass Mosche Rabbejnu kein guter Redner sei. Wir hören dies oft über Rabbiner – "Er ist kein guter Redner." Man hätte sich wohl noch über anderes beschweren können, doch zu reklamieren, dass Mosche auf seine Ehre erpicht sei, war wirklich lächerlich. Dies war einfach irrsinnig.

Drei Pesukim später geht Mosche zum Gegenangriff über. Mosche fordert Korach quasi zu einem Duell heraus: "Tut dies: Nehmet Euch Pfannen – Korach und seine ganze Gemeinschaft – und gebt Feuer hinein und legt Ketoret (Weihrauch) darauf, morgen vor Haschem. Der Mann, den Haschem erwählen wird, der ist der Heilige; ihr wollt zu viel (raw lachem), ihr Söhne Lewis!" [Bamidbar 16:6-7]

Ist dies nicht auffällig und ironisch? Sie warfen Mosche vor "raw lachem" (zu viel für euch) und Mosche erwidert ihnen gleichermassen mit "raw lachem"?

Nur, gemäss Raschis früherer Interpretation von raw lachem, antwortete Mosche "Nein. Ihr wart diejenigen, die die Ehre suchten."

Nun können wir verstehen, weshalb Korach gerade den Vorwurf der Ehrsucht gegen Mosche Rabbejnu erhob. Der Talmud lehrt uns etwas über die Natur eines Menschen [Kidduschin 70a]. "Kol hapossel, beMumo possel." Jeder, der einen Menschen eines Makels bezichtigt (kol hapossel) bezichtigt ihn mit jenem Makel, der ihm selbst anhaftet (beMumo possel). Ein Mensch der alle anderen als Sklaven oder Mamserim bezeichnet, muss verdächtigt werden, dass er diesen Schandfleck in seiner eigenen Abstammung hat.

Moderne Psychologie nennt dieses Benehmen 'Projektion'. Jemand der immer über eine spezifische Eigenschaft an anderen Leuten reklamiert, hat höchstwahrscheinlich diesen Mangel selbst. Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter aus, als über Paul. Lehawdil, was Korach über Mosche sagt, verrät uns mehr über Korach als über Mosche.

Dies erklärt uns, weshalb Korach diese lächerliche Anschuldigung wählte, dass Mosche nach Ehre strebe. Es war genau deshalb, weil Korach selber nach Ehre süchtig war, dass er diesen Charakterfehler auf seinen Führer projizierte.

Nachdem Mosche die Anschuldigung von Korach und seiner Meute hörte, sagt uns die Torah: "Als Mosche dies hörte fiel er auf sein Angesicht" [Bamidbar 16:4] Der Talmud [Sanhedrin 110a] erklärt das "Als Mosche dies hörte" wie folgt: Was hörte er? Er hörte, dass sie ihn des Ehebruchs anklagten. Welch verrückte Anklage ist dies nun? Weshalb erzählt uns der Talmud überhaupt eine solch lächerliche Anklage gegen Mosche?

Raw Chajim Soloweitschik nahm einmal, zusammen mit einem anderen grossen Rabbiner, an einer Din Torah (Sitzung eines rabbinischen Gerichtes) teil. Beide Parteien hatten je einen Richter gewählt und die beiden Richter einen dritten, wie es üblich ist. Während dem Din Torah, öffnete einer der zwei Parteien den Mund und begann einen der Richter eines schrecklichen Benehmens anzuklagen. Der Richter bat um eine Pause, da er so aufgeregt über die Anschuldigungen war.

Während der Pause verliessen die beiden Parteien das Zimmer und Raw Chajim sagte zum anderen Richter "Lass dich dadurch nicht stören. Auch das gehört zu einem jüdischen Führer. Die Rolle eines jüdischen Führers beinhaltet, geschmäht zu werden und weiterzumachen." Raw Chajim erzählte, dass er vor einigen Monaten in einen anderen Din Torah involviert war, und der Verlierer Raw Chajim gefragt hatte, "Wie viel hat dir die andere Partei gezahlt, dass du so entschieden hast?"

Raw Chajim sagte "Ich habe ihm ruhig erklärt, dass ich noch nie in meinem Leben auch nur einen Rappen angenommen habe, um im Bet Din zu sitzen, und sicherlich keine Bestechung akzeptiert habe." Eigentlich hat ein Richter das Recht, für seine Zeit bezahlt zu werden, doch aus Prinzip weigerte sich Raw Chajim sogar eine solche Entschädigung anzunehmen. Die verlierende Partei hatte die Frechheit Raw Chajim zu beschuldigen, Bestechung akzeptiert zu haben! Raw Chajim trainierte sich, dass solche Beleidigungen zum Beruf eines jüdischen Führers gehören.

Raw Chajim erklärte, dass wir aus der oben zitierten Gemara lernen, dass ein Führer solche Beschämungen einstecken muss. Die Torah sagt nur "Mosche hörte und fiel auf sein Gesicht." Die Gemara erklärt uns, dass er des Ehebruchs verdächtigt wurde. Raw Chajim frägt: Weshalb sagt uns die Gemara dies? Wer muss dies wissen? Es ist verleumderische üble Nachrede. Weshalb muss die Gemara diese widerwärtige Schlechtigkeit drucken, die irgendein Idiot erfunden hat? Weshalb muss die Torah für alle Ewigkeit aufschreiben, das Mosche so misshandelt wurde, dass er auf sein Gesicht fallen musste? Lösch es aus! Weshalb müssen wir davon wissen?

Die Antwort ist, dass die Torah uns ein Paradigma lehrt. Mosche Rabbejnu war der Inbegriff eines jüdischen Führers. Chasal beschreiben uns die Beleidigungen, die Mosche durchgehen musste und sagen uns, dass Mosche trotzdem weitermachte und sich nicht davon stören liess. Trotz dieser Geschichte betete er kurz darauf wieder für den Klal Jisrael.

Hätte er denn nicht das Recht gehabt zu sagen, "Ich habe genug! Genug von diesen Männern! Ich muss mir dies nicht länger gefallen lassen!?" Nein! Der Führer muss die grössten Beleidigungen akzeptieren und weitermachen. Dies sagte Raw Chajim zum anderen Rabbiner: "Ich habe es selbst erlebt. Ich habe viele grässliche Dinge gehört. Menschen haben mich der schrecklichsten Dinge angeklagt, doch ich bin von derselben Schule wie Mosche Rabbejnu. Ich mache weiter." Wer diese Einstellung nicht hat, kann kein jüdischer Führer sein.

(Natürlich gibt dies auf keinen Fall einem Menschen die Erlaubnis in irgendeiner Art und Weise so zu handeln, respektive entschuldigt es niemanden, der sich so verhält.)



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