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Raw Frand zu Parschat Korach 5765

Die Mizva von Machloket ist eine Ausnahme von der Regel

Die Mischna lehrt, dass eine Machloket (Streit) welche in reiner Absicht geführt wird, bleibende Ergebnisse zeitigt („Sofah le’hiskajem“), während eine Streitigkeit, welche nicht in reiner Absicht geführt wird, keine nachhaltigen Ergebnisse beibehält („ejn Sofah le’hiskajem“). [Avot 5:20] Das klassische Beispiel für eine richtige Auseinandersetzung sind die Diskussionen zwischen Hillel und Schamaj. Das klassische Beispiel für schädlichen Streit ist derjenige von Korach und seinem Anhang.

Rav Jerucham Leibowitz fragt: Wie kann es sein, dass wir den Streit von Korach und seinem Anhang die Ehre erweisen, dass wir ihn im selben Atemzug nennen wie die Diskussionen von Hillel und Schamaj? Würden wir die Diskussionen von Hillel und Schamaj mit den Streitereien zwischen den Fussballspielern des FC Zürich und des FC Basel vergleichen? Es ist überhaupt nicht angebracht, die feinen Unterschiede bei der Auslegung der Torah den Hahnenkämpfen irgendwelcher egozentrischer Grossmäuler gegenüberzustellen. Wieso werden Korach und sein Anhang derart ernst genommen, dass sie in der gleichen Mischna wie Hillel und Schamaj genannt werden?

Von der Tatsache, dass alle in der gleichen Mischna erwähnt werden, lernt Rav Jerucham Folgendes: Wir müssen uns hüten, Korach und seine Anhänger auf die gleiche Stufe wie die Fussballer des FC Zürich und FC Basel zu stellen. Der Streit von Korach und seinen Anhängern war der Machloket von Hillel und Schamaj im Grunde sehr ähnlich. Ihr Streit besass alle Eigenheiten eine Auseinandersetzung in reiner Absicht. Er hatte die vornehmsten Gründe.

Korach und seine Anhänger argumentierten, dass sie mit ihrer geistigen Lebensstellung unzufrieden waren. „Wir wollen mehr Keduscha (persönliche Heiligkeit); wir wollen eine nähere Beziehung zum Allmächtigen; wir wollen so nah sein wie der Priester beim G’ttesdienst.“ Hillel und Schamaj hatten berechtigte und hitzige Auseinandersetzungen um die vornehmsten Dinge im Leben. So war auch die Natur des Streits von Korach und seinen Anhängern – zumindest am Anfang.

Aber dann wurde ihre Diskussion mit eigennützigen Motiven von persönlicher Ehre und Grösse verdorben, womit sie in die Kategorie einer Machloket, welche in unreiner Absicht geführt wird, absank. Die beiden Fälle unserer Mischna begannen als gleichgeartete Diskussionen. Korach und seine Anhänger schafften es jedoch nicht, innezuhalten, als die Machloket eigennützig wurde.

Hillel und Schamaj gelang es, die Auseinandersetzung auf einer uneigennützigen Ebene zu halten. Sie wurde nie ein Gegenstand von „ich recht“ und „du falsch“. Sie wurde nie eine Angelegenheit von „Ich will an die Spitze kommen, weil ich gewinnen will.“ Es war ausschliesslich eine Diskussion in reiner Absicht. Der Talmud lehrt, dass Bejt Hillel immer die Meinung von Bejt Schamaj vor ihrer eigenen zitierte, wenn es um die Darlegung der beiden Standpunkte ging. Ihre Absicht war, zur Wahrheit vorzudringen und nicht unbedingt, Sieger zu sein.

Korach und seine Anhänger fingen ebenfalls mit den Vornehmsten aller Beweggründe an. Wenn sich ein Mensch jedoch in Beweggründen verfängt, die nicht rein sind, können Diskussionen zu den schlimmsten Handlungen führen und zerrüttend sein.

Rav Jerucham sagt, dass es manchmal eine Mizva (Gebot) ist, sich auf eine Streitigkeit einzulassen. Es gibt Zeiten, wo man für die Wahrheit auf die Barrikaden gehen muss. Diese „Mizva“ ist jedoch eine Ausnahme von der Regel. Üblicherweise sollte ein Mensch Torah und Mizvot ausüben, auch wenn es nicht mit reinen Hintergedanken geschieht, weil dies ihn schliesslich dazu bringt, diese Mizva in reiner Absicht auszuüben [Sanhedrin 105b]. Mit anderen Worten: Es ist sicher nicht das beste Verhalten eines Menschen, einen grossen Geldbetrag für die besten Tefillin oder den schönsten Etrog auszugeben, nur damit die anderen das wunderbare Paar Tefillin oder den prächtigen Etrog bewundern. Trotzdem sagen wir ihm: „Tu’ es nur; kauf das beste Paar Tefillin und den schönsten Etrog.“ Am Ende wird er dazu kommen, den wahren Wert der Mizvot von Tefillin und Etrog wahrzunehmen. In der Zwischenzeit erfüllt er diese Mizvot in einer angemessenen Art und Weise.

Rav Jerucham sagt, dass es jedoch in der Torah eine Mizva gibt, welche ein Mensch entweder 100% li’schma (in reiner Absicht) tun oder es eben lieber lassen soll. Das ist die Mizva, eine Machloket auszutragen. Die Lehre von der Anhängerschaft Korachs ist, dass ein Streit zu 100% in reiner Absicht zu erfolgen hat. So hat es am Anfang, in der Mitte und am Ende zu sein. Sonst ist es verwerflich!

Bei uns gibt es sehr wenige, die sagen können: „MEINE Machloket ist eine Auseinandersetzung, die zu 100% in reiner Absicht erfolgt.“ Hillel und Schamaj konnten das tun; die meisten von uns jedoch nicht. Das ist der Grund, weshalb die Mischna in Avot die Machloket von Hillel und Schamaj im gleichen Atemzug, wie diejenige von Korach und seinem Anhang nennt. Sie waren sich im Grunde sehr ähnlich, zumindest am Anfang.


Quellen und Persönlichkeiten:
Hillel und Schamaj (lebten ca. 40 Jahre vor Beginn der gewöhnlichen Zeitrechnung): Gerichtsvorsitzende und Führer des jüdischen Volkes. Frühe Mischnalehrer, die an der Spitze von Torah-Akademien standen und mit ihren zahlreichen Diskussionen die jüdische Gesetzeslehre wesentlich beeinflussten
Rav Jerucham Leibowitz (1874 - 1936): Einflussreicher Denker, Maschgiach (Leiter und geistiger Ratgeber) der Jeschiwa in Mir, Litauen.
Rav Schlomo Salman HaKohen Kook: Rabbiner im späten 19. Jahrhundert in Litauen
Rischonim („die ersten“): Torahgelehrte zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert.



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