Elul
/Paraschat Ki Tawo

Gedanken zu Paraschat Korach 5772

Ja’akow realisierte, dass das Jüdische Volk ohne Einigkeit keine Existenz hat

Die Berachot (Segnungen) die Ja’akow Awinu in Parschat Wajechi seinen Kindern gab enthalten folgende Worte: "Schimon und Lewi sind Brüder; Geräte der Gewalt sind ihre Waffen. In ihren Rat komme nicht meine Seele, mit ihrer Versammlung werde du, meine Ehre, nicht vereint, denn in ihrem Zorn erschlugen sie Männer und in ihrer Willkür entwurzelten sie den Ochs" [Bereschit 49:5-6]. Raschi zur Stelle erklärt, dass Ja’akow mit seinem Gebet „mit ihrer Versammlung werde du, meine Ehre, nicht vereint“ eine Bitte für die Zukunft war, und zwar dass bei der Geschichte von Korach sein Name nicht erwähnt werden soll. In der Tat, wenn die Torah die Abstammung von Korach aufzählt, wird der Name von Ja’akow nicht erwähnt. Die Aufzählung der Generationen endet bei Lewi (dem Sohn von Ja’akow).

Das Sefer Bamidbar, ab Parschat Beha’alotcha hindurch bis Parschat Balak, erzählt von vielen bedauernswerten Fehltritten des Volkes Israel. (Einst kam ein Chassid zum Gerrer Rebbe und sagte ihm, dass er jedes Jahr im Sommer deprimiert sei. Der Rebbe fragte ihn, was ihn denn im Sommer so deprimiere, ob es etwa mit dem Wetter zu tun habe. Der Chassid erklärte: „Nein, es sind die Parschat Haschawua der Sommermonate – eine Woche nach der andern lesen wir von den Zuwiderhandlungen des jüdischen Volkes!“)

Tatsächlich sind im Chumasch einige gravierende Averot (Sünden) erwähnt. Aber offenbar war Ja’akov Awinu über diese Averot nicht so besorgt. Ja’akov bat nur, dass die Torah seinen Namen nicht erwähnt bei der Awera von Korach. Was war denn so schrecklich an dieser Geschichte, dass Ja’akov – selbst auf dem Sterbebett – so ein starkes Bedürfnis hatte zu bitten, dass sein Name in diesem Zusammenhang nicht erwähnt werde?

Rav Mosche Schapiro bietet eine mögliche Erklärung auf diese Frage an. Doch vorerst möchten wir folgende Frage aufwerfen: es ist ein alter jüdischer Brauch – aus biblischer Zeit stammend – dass sich Juden mit dem Wort „Schalom“ begrüssen. Wir finden diesen Brauch bereits im Sefer Bereschit „Und er (Ja’akov) sagte: „gibt es Schalom (Friede) bei ihm (Lavan)?“ Und sie antworteten „Schalom“ (Bereschit 29:6). Wir finden diese Praxis auch mehrmals im Sefer Schoftim (Buch der Richter), zum Beispiel: „Und der alte Mann sagte ‚Schalom’ sei dir…“ (Schoftim 19:20). Auch heute in unserer Zeit begrüsst man eine von der Reise kommenden Person mit dem Grusswort „Schalom Alejchem“. In Erez Jisrael sagt man sich nicht „Hallo“, sondern jedermann begrüsst den andern mit dem klassischen Gruss „Schalom“. Meistens sogar mehrmals pro Tag!

Im Talmud steht, dass ‚Schalom‘ einer der vielen Namen des Allmächtigen ist (Schabbat 10b). Deshalb ist die Halacha, dass man das Grusswort ‚Schalom‘ in der Toilette oder im Badezimmer nicht nutzen darf. (Es fragt sich sogar, ob man einen Freund, der ‚Schalom‘ heisst, dort mit seinem Namen ansprechen darf!) Wenn dem so ist, ist es dann nicht etwas ungezügelt und respektlos wie wir mit G“ttes Namen umgehen, indem wir immer wieder „Schalom“ und „Schalom Alejchem“ sagen? Wir kennen das dritte Verbot der 10 Gebote: ‚Du sollst beim Namen des Ewigen, deines G“ttes, nicht vergeblich schwören‘ (Schemot 20,7). Man darf den Namen G“ttes nicht missbrauchen. Von dem wird in der Halacha abgeleitet, dass man im Zweifelsfalle, wenn man sich nicht mehr erinnern kann, ob man eine Beracha gemacht hat oder nicht, die Regel gilt, dass man keine Beracha macht – damit man G“ttes Namen nicht eventuell vergeblich ausspricht.

Nun stehen wir vor einem Paradox: einerseits gehen wir streng mit dem Gesetz um, G“ttes Namen nicht umsonst zu erwähnen – andererseits begrüssen die Juden einander seit je her mit dem Namen G“ttes: „Schalom“.

Was geschieht nun mit unserem Bedenken, G“ttes Name nicht umsonst auszusprechen? Nicht genug, dass wir den Namen Schalom als Begrüssung nutzen, erklärt der Talmud noch zusätzlich, dass Boas in seiner Generation den Brauch eingeführt hat, sich mit dem offiziellen Namen G“ttes zu begrüssen (Traktat Makkot 23b)!

Wie können wir dies verstehen?

Der Sotah (mutmassliche Ehebrecherin) muss man das besondere Wasser zu trinken geben, um ihre Treue zu ihrem Ehemann zu testen. Das Wasser wird zubereitet, indem man einen Text mit G“ttes Namen auf ein Stück Pergament schreibt und den ganzen Text, inklusiv den Namen G“ttes, in einem mit Wasser gefüllten Gefäss ausradiert. Der Talmud sagt dazu: „Mein Name, der in Heiligkeit geschrieben wurde, soll im Wasser gelöscht werden – um den Frieden zwischen Mann und Frau wieder herzustellen“ (Traktat Schabbat 116a). Die einfache Interpretation davon ist, dass für den Zweck des Schalom Bajit (Frieden zwischen Mann und Frau) G“ttes Name gelöscht werden darf.

Der Maharal gibt in seinem Sefer Netivot Olam eine andere Erklärung zu dieser Halacha. Wenn Mann und Frau in Frieden zusammen leben, so ruht die Schechina (G“ttes Gegenwart) unter ihnen. Wenn Disharmonie zwischen Mann und Frau herrscht, so ist die Schechina nicht da. Mit anderen Worten, wenn die Ehepartner miteinander streiten, so entsteht und besteht bereits eine ‚Löschung‘ von G“ttes Namens. Aus diesem Grund sagt G“tt „lasst sie meinen Namen benutzen, um den Schalom Bajit zurückzubringen“. Diese Löschung ist somit keine Entfernung Seines Namens und Seiner Präsenz aus der Welt, sondern im Gegenteil, eine Herstellung der Schechina, der g“ttlichen Gegenwart!

Dies ist auch ein Grund, warum wir G“ttes Namen benutzen dürfen, um einen Kollegen zu begrüssen. Wenn wir Juden friedlich miteinander leben, dann weilt die Schechina zwischen uns. Wenn wir nicht in Frieden miteinander leben, so entfernt der Allmächtige Seine Gegenwart von uns. Es ist also lohnenswert, den Namen G“ttes zu benützen, um den Nächsten zu begrüssen und mit ihm freundlich zu sein, denn so fördern wir die Einheit und den Frieden im jüdischen Volk. Die jüdische Einheit bewirkt, dass die g“ttliche Gegenwart unter uns präsent sein kann.

In Anbetracht dessen, können wir auch das folgende Ereignis im Chumasch verstehen: „Ja’akov verliess Be’er Schewa und ging nach Charan…und er nahm von den Steinen (Plural) des Ortes…“ (Bereschit 28:10-11). „Ja’akow stand früh auf und nahm den Stein (Singular), den er unter seinen Kopf gelegt hatte…“ (Bereschit 28:18). Raschi erklärt diese Änderung (Plural – Singular), dass Ja’akow ursprünglich viele (12) Steine genommen hatte, diese sich aber dann zu einem einzigen Stein verwandelten. Warum ist dies passiert? Was ist die Symbolik dieses Ereignisses?

Der Midrasch sagt, dass Ja’akow Awinu wusste, dass das jüdische Volk aus 12 Stämmen entstehen wird. Ja’akow war es bekannt, dass weder Awraham noch Jitzchak 12 Kinder hatten, daher nahm er an, dass diese 12 Stämme von ihm entstehen würden. Ja’akow sammelte daher 12 Steine und legte sie unter seinen Kopf und suchte nach einem g“ttlichen Zeichen, ob er würdig ist, dass von ihm die 12 Stämme Israels abstammen würden. Ja’akow Awinu sagte: „Wenn diese Steine sich auf wundersame Weise miteinander verbinden und eine Einheit bilden, dann weiss ich, dass ich geeignet bin, um Vater der 12 Stämme zu werden, die sich dann zu einem Volk vereinigen werden. Sein Ziel war es, eine Nation aufzubauen – ungleiche Individuen zu nehmen, sie zu einer Einheit zusammen zu führen und so die g“ttliche Gegenwart in die Welt zu bringen. Ja’akow testete, wenn die 12 Steine zusammen kommen, dann ist dies ein Zeichen, dass im jüdischen Volk eine Einheit herrschen wird und dass eine einheitliche jüdische Nation entstehen kann. Falls die 12 Steine getrennt bleiben, so würde Ja’akow einsehen, dass sein Wunsch zum Scheitern verurteilt ist, denn wo Uneinigkeit herrscht, dort entsagt sich der Allmächtige seiner Präsenz.

Ja’akow Awinu war sich somit von Anfang an bewusst, dass die Einheit, die Einigkeit, der Schlüssel zum Überleben des jüdischen Volkes ist – es ist ihre einzige Hoffnung auf ihr Überleben! Er wusste, dass die g“ttliche Gegenwart nur dann im Volk weilt, wenn „Achdut“ – Einigkeit herrscht. Folglich wollte Ja’akow nichts mit Korach und seinen Mitstreitern zu tun haben. In Ja’akows Augen war ihre Awera viel schlimmer als die anderen Awerot, wie die des Goldenen Kalbes, der Meraglim (Spione), den Reklamierenden und viele andere. Die Sünde von Korach führte zu Auseinandersetzungen, Streitigkeiten und zur Spaltung des jüdischen Volkes. Korach drohte alles zu zerstören, was Ja’akow aufgebaut hatte. Wegen dieser spezifischen Awera bat Ja’akow „Mein Name und meine Ehre soll mit ihm nicht in Verbindung gebracht werden“. Nur durch Einigkeit werden die Kinder von Ja’akow (Jisrael) die ewige Nation „Bnej Jisrael“ sein.



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