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Warum das Kalkül von "vierzig Jahre für vierzig Tage"? - Raw Frand zu Paraschat Schelach Lecha 5780 – Beitrag 1

Warum das Kalkül von "vierzig Jahre für vierzig Tage"?

Der Ewige kündigte wegen der Sünde der Meraglim (Spione) die folgende schreckliche Strafe für das jüdische Volk an: "Gemäss der Zahl der Tage, an denen Ihr das Land erkundet habt, vierzig Tage, werdet Ihr vierzig Jahre - für jeden Tag ein Jahr - eure Schuld büssen müssen und meine Ungunst erfahren" [Bamidbar 14:34]. Anstatt direkt ins Land Israel weiterzuziehen, sollten sie vierzig Jahre in der Wildnis verbleiben. Warum vierzig Jahre? Für jeden Tag, den die Meraglim mit dem Einsammeln ihrer negativen Berichte in Erez Jisrael verbrachten, mussten sie eine entsprechende 365-tägige Periode in der Wüste umherziehen, bevor sie Erez Jisrael betreten durften.

Rav Ascher Weiss stellt eine einfache Frage. Die eigentliche Sünde der Meraglim geschah - als sie zurückkehrten und ihren negativen Bericht überbrachten - an jenem berüchtigten Erew Tisch’a BeAw. Der Bericht wurde an allenfalls einem Tag abgegeben. Während den vorhergehenden 39 Tagen oder sogar während fast der gesamten 40-tägigen Periode verkündeten sie gar nichts. Sie verursachten keinen Schaden. Sie sammelten lediglich Informationen ein. Wie können wir also diesen Zusammenhang von vierzig Jahren für vierzig Tage verstehen. Ihre Sünde dauerte höchstens einen Tag, nicht vierzig Tage!

Es war nicht wie heute, dass sie jeden Tag mit ihren Handys ins Lager angerufen und schlechte Nachrichten über das Land hätten melden können. Sie machten keine Mitteilungen über Twitter. Sie sandten auch keine Neuigkeiten übers Facebook. Es gab überhaupt keine Kommunikation, bis sie nach dem vierzigtägigen Aufenthalt ins Lager zurückkehrten! Sie kamen eines Tages zurück, erzählten höchstens einige Stunden lang Schlechtes, und das war alles. Warum wurden sie mit "einem Jahr für jeden Tag" bestraft?

Rav Ascher Weiss antwortet mit einem Zitat einer Regel, die wir schon oft in der Vergangenheit erwähnt haben. Die Sünde von Laschon Hara ist nicht nur eine Sünde des Mundes. Sie ist auch eine Sünde der Augen – eine Sünde in der Art und Weise, wie man die Dinge wahrnimmt. Zwei Leute können praktisch genau dieselbe Sache sehen und sie auf komplett verschiedene Weise anschauen. Der Grund, warum die Strafe "vierzig Jahre für vierzig Tage" war, ist, weil die Meraglim während vierzig Tagen Erez Jisrael in negativer Weise betrachteten. Alles, was sie sahen, wurde mit einer voreingenommenen Sichtweise verarbeitet. Chasal (unsere Weisen) sagen, dass der Ausdruck "ein Land, das seine Bewohner verzehrt" [Bamidbar 13:32], die Tatsache widerspiegelt, dass sie jeden Tag Beerdigungen sahen. Anstatt dies als die Hand von Haschem zu betrachten, Der wollte, dass die Einwohner mit dem Beerdigen ihrer Toten beschäftigt sein sollten, damit sie die Meraglim nicht bemerken, sahen sie es als Zeichen an, dass das Land ungesellig war und den vorzeitigen Tod seiner Einwohner verursachte. Während vierzig Tagen war ihre Sichtweise negativ. Als sie daher zurückkehrten und ihren Bericht an die Nation übermittelten, sprechen wir nicht über eine Sünde, die nur einige Stunden oder höchstens einen Tag lang dauerte. Ihr Bericht war der Höhepunkt von vierzig vollen Tagen ihrer zynischen Verarbeitung von allem, was mit dem Land Israel zu tun hatte. Es waren vierzig Tage der falschen Wahrnehmung: vierzig Tage des Hohns; vierzig Tage der Negativität; vierzig Tage von Laschon Hara. Die Strafe dafür war vierzig Jahre des Wanderns – eines Jahres für jeden Tag.

Er stellt zwei gegensätzliche Weltansichten gegenüber:

Die erste ist diejenige der deutschen Philosophen: "Wenn man die Natur betrachtet, was sieht man? Jemand geht nach Afrika, und sieht, wie das Leben im Urwald, in der Steppe und in der Savanne Afrikas vor sich geht. Es geht um das Überleben des Stärkeren. Der Löwe frisst die Antilope oder den Bock. Die Antilopen, die schnell sind, entkommen; und diejenigen, die nicht schnell genug rennen, überleben nicht. Dies ist ein Überleben der Stärkeren in Aktion. Die grösseren Fische essen die kleinen Fische, und die noch grösseren Fische essen diese Fische. Die Natur basiert auf dem Konzept des Überlebens des Stärkeren. Die Welt verläuft auf dem talmudischen Prinzip des "kol deAlim gawar" (wer stärker ist, gewinnt). Dies ist ein möglicher Weg, die Welt zu betrachten. Wir können leicht verstehen, wohin solch eine Weltphilosophie führt.

Die andere Philosophie ist diejenige der Weisen des Talmuds. Die Gemara zitiert: "Rabbi Jochanan sagt, wäre die Tora nicht gegeben worden, hätten wir Zeniut (Schamhaftigkeit) von den Katzen; Eigentumsrechte (Diebstahl) von den Ameisen; Sittlichkeit und Treue (Arajot) von Tauben; und gutes Benehmen (Derech Erez) von Hähnen gelernt [Traktat Eruwin 100b].

Hier haben wir zwei Betrachtungsweisen des Tierreichs – diejenige des "deutschen Philosophen" und diejenige der Weisen des Talmuds. Eine Perspektive sieht, dass "Macht vor Recht geht" und dass das "Überleben des Stärkeren" das Richtige ist, und basiert ihre Philosophie auf ihrer Sicht der Natur. Rabbi Jochanan betrachtet das Tierreich und sagt: "Schaut euch diese kleine Ameise an. Sie wird keine Krume, die ihr nicht gehört, von einer anderen Ameise wegnehmen. Schaut, was die Katze tut, während und nachdem sie sich um die Bedürfnisse ihres Körpers kümmert, betrachtet ihre Scham. Betrachtet die Taube – sie paart sich ihr ganzes Leben lang mit demselben Vogel und wird sogar nach dem Tod ihres Partners keinen anderen akzeptieren." Er betrachtet dasselbe Tierreich wie der "deutsche Philosoph" und sieht Treue, Scham und ethisches Verhalten. Es hängt alles davon ab, wie man die Dinge anschaut.

Laschon Hara wird von Chasal auch als "Ejna Bischa" – ein böses Auge – bezeichnet. Damit beginnt alles. Es beginnt mit der Wahrnehmung. Der Ba’al Laschon Hara sieht die Dinge immer negativ. Deshalb begingen die Meraglim, die vierzig Tage damit verbrachten, Erez Jisrael in negativem Licht zu betrachten, nicht nur ein Verbrechen einiger Stunden von Laschon Hara, sondern dies war nur der Höhepunkt von vierzig Tagen, an denen sie die Dinge nicht so betrachteten, wie man sie betrachten kann und sollte. Als Folge ihrer voreingenommenen Meinung vermittelten sie einen vernichtenden Bericht über Erez Jisrael.

Quellen und Persönlichkeiten:

 

Rav Ascher Selig Weiss (geb. 1953); Bekannter Possek und begnadeter Redner. Av Bejt Din und Rosch Kollel von Machon Minchat Ascher LeTora weHora‘a. Autor diverser Werke, wie Minchat Ascher zu Tora und Moadim und 17 Bände Schu"t (Responsen).

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Die Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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