Tischri
/Paraschat Ha'asinu - Asseret Jemei Teschuva

Raw Frand zu Parschat Wajischlach und Chanukka 5770

Ja’akow schickte Mal‘achim – Boten oder Engel?

Die Parscha beginnt mit dem Passuk "Und Ja’akow schickte 'Mal‘achim' vor sich her zu Ejsaw seinem Bruder in das Land Se‘ir, in das Gefilde Edoms." [Bereschit 32:3]. Die einfache Übersetzung des Wortes 'Mal‘achim' in diesem Pasuk ist ‚Boten‘ (Targum). In einem sehr bekannten Kommentar sagt Raschi jedoch, dass 'Mal‘achim' wörtlich verstanden werden muss und also ‘Engel’ bedeutet. Wegen seiner Frömmigkeit verkehrte Ja’akow mit Engeln, wie es zwei Verse früher (Ende Wajeze 32,1) heisst: „Ja’akow ging seines Weges, da begegneten ihm Engel G’ttes“. Also schickte er die Engel, die in seinem Lager waren, statt irgendwelcher Boten.

In seinem Sefer Darasch Mosche stellt Raw Mosche Feinstein sz"l die sehr interessante Frage: Weshalb benutzte Ja’akow für diese Mission Engel, nachdem doch Menschen dasselbe hätten erreichen können? Unter normalen Umständen sollte ein Mensch vermeiden, sich Wunder zu bedienen – ebenso wie der Allmächtige sich, sozusagen, in der Regel zurückhält Wunder zu tun. Wunder werden nur unter ganz besonderen Umständen gemacht, wenn wundersame Ereignisse notwendig sind. Chasal sagen, wenn Haschem ein Wunder für eine Person macht, so "vermindern sich deren Verdienste". Mit anderen Worten, wenn Haschem, die Natur für diesen Menschen ändern musste, so bezahlt diese Person dafür.

Es erscheint also seltsam, dass Ja’akow diese echten 'Mal‘achim' bemühte, um seinem Bruder Ejsaw eine Nachricht zukommen zu lassen.

Um diese Frage zu beantworten, erklärt Raw Mosche, dass gewisse Menschen das Höchstmass an Vollkommenheit erreicht haben (Tachlit ha'Schlejmut). Solche Menschen sind sich des immerwährenden ‘Wunders’ der Natur bewusst. So viele Dinge geschehen die ganze Zeit, die wir als natürlich betrachten und deshalb nicht als Wunder erkennen. Doch ein geistig feinfühlender Mensch ist sich bewusst, dass die ganze Tewa (Natur) ein grosses Nes (Wunder) ist.

Ja’akow Awinu war auf einer solchen Stufe. Er realisierte, dass alles Natürliche auch ein Wunder ist. Für Ja’akow war es dasselbe, ob er zwei Menschen schickte um Ejsaw zu treffen oder zwei Engel. Die Mission war in jedem Fall ein Wunder. Dass Haschem öfters zögert, Wunder zu tun und dass Er Verdienste von einem Menschen wegnimmt, gilt für Menschen, die nur über Wunder staunen, nicht aber über die Natur. Ein Mensch wie Ja’akow, der das ganze Leben als Wunder betrachtete, verlor keine Verdienste, indem er ein “wundersames Wunder” verursachte, da es für ihn nicht anders war als ein “natürliches Wunder”.

Der Talmud erzählt die Geschichte von Rabbi Chanina ben Dota, dessen Tochter am Erew Schabbat irrtümlich Essig statt Öl in die Leuchter goss. Rabbi Chanina ben Dota verkündete, dass derselbe G’tt, der beschlossen hat, dass Öl für Licht sorgen soll, auch beschliessen kann, dass Essig Licht spenden soll. Und so geschah es auch. Für Rabbi Chanina ben Dota war brennendes Öl nicht weniger Wunder als brennender Essig.

Der Talmud schreibt (Sanhedrin 94), dass Haschem in Erwägung zog, König Chiskijahu als Maschiach zu bestimmen und Sancheriw, König von Aschur, zur Verkörperung von Gog und Magog (die Gegner des Maschiach). Die Gerechtigkeit protestierte aber dagegen und sagte, dass es nicht fair sei, dass David Hamelech, der so viele Psalmen und so viel Lob zu Haschem gesagt hatte, übergangen werde, während Chiskijahu, der so viele Wunder miterlebt hatte und kein Lob und Dank zu Haschem sang, zum Maschiach gemacht würde. Haschem akzeptierte diesen Protest. Da öffnete die Erde ihren Mund und rief aus; "Ich werde Dein Lob verkünden und in diesem Verdienst, kannst Du diesen Gerechten (König Chiskijahu) zum Maschiach machen."

Was bedeutet diese Gemara? Weshalb sang Chiskijahu kein Lob für Haschem? Raw Mosche Feinstein antwortet, Chiskijahu sang keine Schirah (Lobgesang), weil er von Wundern nicht beeindruckt war. Für Chiskijahu war alles ein Wunder. Also waren "wundersame Wunder" nicht anders als "natürliche Wunder" und brachten ihn nicht dazu Schirah zu singen. Das ist die Bedeutung des Angebots der Erde, statt ihm Schirah zu sagen. Die Erde repräsentiert die Natur. Die Erde erklärte, weshalb Chiskijahu nicht auf Wunder reagierte – weil er die Einsicht hatte, dass sogar die Geschehnisse der Erde – die Natur – ein Wunder waren.

Chanukka wird in einigen Tagen sein. Bald werden wir wieder den berühmtesten Bet Josef (Erklärung Rabbi Josef Karos – der Verfasser des Schulchan Aruchs – zum Tur) des ganzen Turs sehen. Der Bet Josef frägt, weshalb Chanukka für acht Tage festgesetzt wurde. Das gefundene Öl reichte ja für einen Tag; ein Wunder geschah, dass es zusätzliche sieben Tage brannte. So müssten wir nur sieben Tage feiern und nicht acht!

Die Ba’ale Mussar antworten, dass tatsächlich nur sieben Tage an das wundersame Wunder erinnern, dass das Öl sieben Tage länger brannte als normal, doch der zusätzliche Tag erinnert an das Wunder der Natur – dass Öl überhaupt brennt! Dies ist für sich allein ein Wunder. Wir staunen alle über die "wundersame Wunder", doch unser tagtägliches Leben ist alles ein grosses Wunder. Das achttägige Chanukka-Fest lehrt uns, dass wir auch diese Wunder schätzen lernen müssen.



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