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Raw Frand zu Parschat Wajischlach 5765 (Beitrag 1)

Der Kampf mit Esavs Engel ändert sich stets

In der Parscha dieser Woche vernehmen wir vom Zusammentreffen von Ja’akov Avinu (unserem Vater) mit einem Engel. Ja’akov rang die ganze Nacht bis zum Morgengrauen mit dem Engel. Dann gab der Engel auf. Unsere Weisen sagen, dass dieser Engel Esavs Schutzengel war.

Die Torah berichtet von einem interessanten Gespräch zwischen Ja’akov und diesem Engel. Der Engel bat darum, losgelassen zu werden, weil der Morgen angebrochen war und er zum Himmel zurückkehren musste. Ja’akov entgegnete, dass er ihn erst loslassen werde, wenn er ihn gesegnet habe. Der Engel fragte ihn nach seinem Namen und teilte ihm – nachdem Ja’akov geantwortet hatte – mit, dass er nicht mehr länger Ja’akov heissen solle. Von jetzt an werde er Israel genannt. Daraufhin drehte Ja’akov den Spiess um und fragte den Engel nach seinem Namen. Der Engel entgegnete: „Wieso frägst du mich nach meinem Namen?“

Dieses Zwiegespräch ist, gelinde gesagt, ziemlich merkwürdig. Die Antwort des Engels lautete nicht: „Ich brauche dir meinen Namen nicht zu sagen“ oder „Ich darf dir meinen Namen nicht kundtun.“ Sie war auch nicht: „Ich habe keinen Namen.“ Der Engel stellte eine Gegenfrage: „Welchen Nutzen hast du davon, wenn du meinen Namen kennst?“

Wieso will Ja’akov seinen Namen wissen? Und was meint der Schutzengel Esavs, wenn er sagt: „Welchen Nutzen hast du, wenn du meinen Namen kennst?“

Raschi befasst sich mit diesen Fragen. Raschi erklärt die Antwort des Engels mit: „Wir Engel haben keine fixe Namen. Unser Name hängt vom jeweiligen Auftrag ab, für den wir gesandt werden.“

Diese Antwort befriedigt jedoch nicht ganz. Der Engel, von dem wir sprechen, HATTE einen festen Auftrag. Er musste einen Namen, der zu diesem Auftrag gehörte, haben. Wir wissen auch, wer er war. Er war Sana-el, Esavs Erzengel. Bis zum heutigen Tag hetzt er gegen das jüdische Volk. Er verkörpert den Satan. Durch alle Jahrtausende hatte er eine feste Aufgabe. Wieso weigerte er sich denn, Ja’akov seinen Namen kundzutun? Was meinte er mit seiner Frage: „Wieso frägst du nach meinem Namen?“

Ich vernahm einmal eine ausserordentlich treffende Deutung dieses Zwiegesprächs von Rav Chaim Dov Keller. Eine Sache wird von ihrem Namen beschrieben. Rabbiner Samson Raphael Hirsch vergleicht das hebräische Wort für „Name“ („Schem“) mit dem hebräischen Wort für „dort“ („scham“). Ein Name umschreibt ein Objekt. Er sagt uns, wo es sich befindet und was seine Eigenheit ist.

Ja’akov sagte dem Engel: „Wir haben miteinander gekämpft und es ist mir klar, dass der Kampf weitergeht. Erkläre mir deine Eigenheit. Um was geht es dir? Gib mir deinen „Namen“ bekannt.“ Ja’akov wollte den Schlüssel kennen, um seinen Kinder und Kindeskindern für alle Generationen das Wissen weiterzugeben, wie man mit Esavs Erzengel im fortdauernden Kampf umgehen soll. Ja’akov fragte: „Gib mir die Eigenheiten unseres Kampfes bekannt.“

Des Engels Antwort auf diese Frage lautete: „Es nützt nichts, wenn man meinen Namen kennt. Ich bin nicht eine einzige Sache, die es zu überwinden gilt.“ Der Engel sprach damit die Tatsache an, dass er sich von Generation zu Generation ändert. Manchmal war er Hellenismus. Manchmal war er Sozialismus. Manchmal war er Kommunismus. Alle Prüfungen, alle Philosophien und alle Kämpfe, die wir durch alle Generationen durchstehen mussten, werden durch diesen einen Engel verkörpert. Er konnte Ja’akov seine Eigenschaften nicht beschreiben, weil seine Eigenschaften (welche unseren Kampf mit Esav umschreiben) sich dauernd ändern. Manchmal greift er von einer Seite an, manchmal gerade aus der Gegenrichtung. Der Kampf ist jedes Mal verschieden.

Im Talmud [Chulin 91a] gibt es eine Meinungsverschiedenheit, ob der Engel Ja’akov in Form eines Götzendieners oder als Torahgelernter erschien. Welches von beiden? Das Aussehen eines Torahgelehrten unterscheidet sich beträchtlich von demjenigen eines Götzendieners. Wie sah er aus?

Die Antwort ist, dass beides möglich war. Es gibt keine feste Beschreibung und es gibt mehrere Kampfszenarien. Wir können niemals sagen, dass wir Esavs Erzengel besiegt haben. Er ist nämlich imstande, sein wüstes Haupt eine anderes Mal auf gänzlich verschiedene Weise wieder zu erheben. Schauen wir 60 Jahre zurück, so war die normannische Küste damals in voller Bewegung. Heute gibt es dort ausser Gräbern nichts mehr. Heute ist nicht mehr die Normandie das Schlachtfeld. Mitte der 60-er Jahre war nicht O’Hare (Chicago) der belebteste Flugplatz. Es war Da Nang (Vietnam). Heute landen in Da Nang vielleicht keine Flugzeuge mehr. Alte Schlachten zu schlagen macht keinen Sinn. Wir müssen uns fortwährend um das neueste Gefecht kümmern.

Das ist der Engel von Esav. „Es hilft nicht, wenn ich dir meinen Namen sage. Es gibt keinen Schlachtplan. Ich kann dir nicht sagen, wer ich bin, denn ich verändere mich dauernd.“

„Mögest Du doch den Satan von vorne und von hinter uns entfernen.“ [Abendgebet] Manchmal stellt sich der Satan vor uns hin und hindert uns daran, Mizwot (Gebote) zu erfüllen. Manchmal erscheint der Satan hinter uns und treibt uns zu Mizwot an. Auch hier kann es sich um den Satan handeln. Man kann unmöglich genau beschreiben, wer er ist. Er kann in kein einfaches Schema gepresst werden. Er hat keinen „Namen“. Der Kampf mit dem Satan ist der Kampf mit dem Jezer Hora (dem schlechten Trieb) und ist auch der Kampf mit dem Erzengel von Esav; dieser Kampf verändert sich unaufhörlich.


Quellen und Persönlichkeiten:
Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); "Vater aller Torahkommentare".
Rav Chaim Dov Keller: Rosch Jeschiwa der Telser Jeschiwa in Chicago, USA.
Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888): Frankfurt am Main, Führer der Deutsch-Jüdischen Orthodoxie.



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