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/Paraschat Bo

Raw Frand zu Parschat Toldot 5770

In den Fussstapfen seines Vaters

Zu Parschat We'Sot HaBeracha gibt es einen faszinierenden Midrasch. Der Midrasch lehrt, dass falls ein Chasan (Vorbeter) sich während der Wiederholung der Schemone Esre (Tefilat Amidah) irrt und ausgewechselt werden muss, der Zweite mit jenem Abschnitt beginnt, in welchem der Fehler gemacht worden war. Der Ursprung dieser Anordnung stammt von den Patriarchen.


Awraham segnete Jizchak und gab ihm alles, was er hatte: „Wajiten Awraham et kol ascher lo leJizchak“ [Bereschit 25:5]. Als Jizchak, in den Fussstapfen seines Vaters, seinem Sohn (Ja‘akow) eine Beracha (Segen) gab, begann er mit „Wejiten lecha Elokim (Bereschit 27:28) – es gebe dir G‘tt.“

Jizchak schloss seine Beracha für Ja’akow mit dem Verb "Wajikra", wie es steht "Wajikra Jizchak el Ja‘akow wajewarech oto" (Und Jizchak rief Ja‘akow und er segnete ihn) [Bereschit 28:1]. Und als Ja’akow bereit war, seine Söhne zu segnen, beschloss er, seine Beracha mit dem selben Wort zu beginnen, mit welchem sein Vater geschlossen hatte, wie es steht "Wajikra Ja‘akow el Banaw" (und Ja‘akow rief nach seinen Söhnen] [Bereschit 49:1].

Ja’akow beendete seine Beracha an seine Söhne mit dem Wort "We'Sot": "We'Sot ascher diber lahem Awihem" (Und dies ist was ihr Vater zu ihnen sagte) [Bereschit 49:28] und Mosche begann seine letzte Beracha für das jüdische Volk ebenfalls mit dem Wort „We'Sot" wie es steht "We'Sot HaBeracha ascher bejrach Mosche..." (Und dies ist die Beracha, mit der Mosche segnete...] [Dewarim 33:1].

Der Midrasch sagt weiter - Mosche schloss seine Beracha mit den Worten “Aschrecha Jisrael mi kamocha" (Glücklich bist du Israel, wer ist wie du) [Dewarim 33:29] und Dawid haMelech (König Dawid) begann seine Beracha mit den Worten "Aschrej Joschwej Wejtecha" (Glücklich sind jene, die in Deinem Haus verweilen) [Tehillim 84:5].

Dies ist mehr als nur ein sehr netter Midrasch. Jeder Patriarch begann mit demselben Wort, womit sein Vorgänger aufgehört hatte. Offensichtlich will uns der Midrasch mehr lehren als nur auf ein Wortspiel hinweisen. Bevor wir herausfinden, was das sein kann, lasst uns zur dieswöchigen Parscha zurückkehren - Parschat Toldot.

Sefer Bereschit ist das Buch der Patriarchen. Wenn wir anschauen, wie das Sefer aufgeteilt wurde, so ist die Zuteilung der Parschiot überhaupt nicht ausgewogen. Über unseren Patriarchen Awraham wird in den Parschijot Lech Lecha, Wajera und Chaje Sarah berichtet. Nächste Woche beginnt die Erzählung über Ja‘akows Leben, das sich über Wajeze, Wajischlach und Wajeschew spannt. In Wajeschew und Mikez wird ein wenig abgeschweift und über Josef und seine Brüder berichtet. Doch dann in Wajigasch und Wajechi sind wir zurück bei der Geschichte von Ja’akow Awinu. Also ist Awraham das Thema von drei Parschijot. Ja’akow “besitzt” sechs Parschijot. Jizchak hingegegen erhält nur eine Parscha (Toldot). Und auch in dieser Parscha haben wir nur sehr wenige Pesukim, die Ereignisse beschreiben, bei welchen Jizchak die Hauptrolle spielte. Der „mittlere Patriarch" scheint hier sehr kurz "abgefertigt" zu werden.

Was wir hier erklären wollen, ist nicht, weshalb Jizchak scheinbar zu kurz kommt, sondern dass wir wirklich nicht so viel über ihn wissen. Wir wissen, wer Awraham ist. Wir kennen ihn als einen Mann des Chessed (Wohltätigkeit); wir kennen ihn als Vorbild von Mesirat Nefesch (Selbstaufopferung), der erfolgreich zehn Prüfungen des Himmels bestanden hat. Wenn wir ihn mit einem Wort beschreiben wollen, so verbinden wir ihn mit Chessed. Auch Ja’akow Awinu können wir gut charakterisieren. Er ist der Isch Emet (Mann der Wahrheit). Er ist das Vorbild des fleissigen Lernens – der Isch Tam Joschew Ohalim (ein sich ganz hingebender Mensch, der sich immer im Zelt des Torah-Studiums aufhält).

Wer ist Jizchak? Und was noch wichtiger ist, was ist sein Beitrag für uns? Er gehört zu unseren Patriarchen. Wir wissen, welche Charaktereigenschaften wir von Awraham und Ja’akow lernen. Doch was hat uns Jizchak vererbt?

Die folgende Auffassung findet sich in verschiedenen Formen in den Schriften von Raw Eljakim Schlesinger, Raw Chaim Ja‘akow Saitschik und Raw Matitjahu Salomon – um nur einige zu erwähnen, die sich mit diesem Thema befassen.

Die wahre Identität von Jizchak Awinu wird in Parschat Wajeze erwähnt, wo Ja‘akow zweimal seinen Vater als "Pachad Jizchak" beschreibt [Bereschit 31:41; 31:53]. Das Wort "Pachad" bedeutet Furcht. Was bedeutet der Ausdruck "Pachad Jizchak"?

Wenn wir die Erzählung in Parschat Toldot lesen, so fällt uns eines über Jizchak auf. Mehr als alles andere, wollte er das Leben von Awraham Awinu kopieren. Als es in Kena’an eine Hungersnot gab, ging er zu Awimelech, dem König von Pelischtim [Bereschit Kapitel 26], genau wie es sein Vater eine Generation vor ihm getan hatte [Bereschit Kapitel 20]. Und als er in Gerar war, der Stadt von Awimelech, erschien ihm Haschem und sagte zu ihm "Gehe nicht hinunter nach Ägypten...“ Weshalb hatte Jizchak gedacht, nach Ägypten zu gehen? Raschi sagt uns: "Denn seine Absicht war, nach Ägypten hinunter zu gehen, genau wie es sein Vater während der Hungersnot in seiner Zeit getan hatte [Bereschit Kapitel 12]".

Jizchak Awinus automatische Reaktion auf jede Situation in seinem Leben war: "Was hätte mein Vater unter diesen Umständen getan?" Nach diesem Schema lebte er sein Leben: "Ich muss die Tradition und die Messora (geistiges Erbe) meines Vaters aufrecht erhalten". Angesichts dieser Geisteshaltung Jizchaks musste sich Haschem deshalb einschalten und ihn anweisen, nicht nach Ägypten zu gehen. Dies ist Pachad Jizchak. Jizchak fürchtete sich, auch nur ein Jota vom Weg seines Vaters abzuweichen.

Diese Tendenz zeigt sich klar in der Geschichte mit den Brunnen. Jizchak grub dieselben Brunnen wieder auf, die sein Vater gegraben hatte. Und nicht nur dies, er gab ihnen auch dieselben Namen [Bereschit 26:17-18]. Weshalb ist dieses Geschehnis wichtig genug, dass die Torah es für die Nachwelt aufgeschrieben hat? Weshalb ist dies eines der wenigen Details, welche die Torah uns über das Leben von Jizchak Awinu erzählt? Die Antwort ist, dass uns dieses Ereignis den Schlüssel gibt um das Erbe von Jizchak zu verstehen. Sein Vermächtnis ist "Ich muss die Tradition meines Vaters aufrecht erhalten."

In der Geschichte der Menschheit wollen sich Söhne nicht an die Tradition ihrer Väter halten. Der Vater war altmodisch; seine Wege sind “out”. "Mein Vater es hat so getan, jedoch ich werde etwas Neues beginnen!" Kinder wollen ihren eigenen Abdruck in der Welt hinterlassen. Sie wollen nicht die Firma des Vaters weiterführen, so wie es ihr Vater tat – der sie aus dem Nichts aufgebaut hatte. Sie wollen Dinge „verbessern“, den Markt vergrössern, Geschäftspraktiken modernisieren und alles nach ihrer Art durchführen.

Jizchak war nicht so. Jizchak sagte: "Wenn mein Vater Brunnen grub, dann werde ich dieselben Brunnen graben. Ich werde sie gleich nennen, wie sie mein Vater genannt hat." Rabbenu Bachje schreibt: Da die Torah dies über Jizchak aufschreibt, zeigt sie uns, dass es eine lobenswerte Eigenschaft ist und dass wir daraus lernen sollen, nicht von den Wegen unserer Väter abzuweichen.

Nun können wir den Midrasch verstehen, mit dem wir begonnen haben:

Mein Vater sagte die Beracha mit dem Wort "Wajiten". Auch ich werde meinen Sohn mit dem Wort "Wejiten" segnen. Ja’akow lernte von seinem Vater: Mein Vater endete mit dem Wort "Wajikra", ich werde mit dem Wort "Wajikra" beginnen. Mosche machte dort weiter, wo Ja’akow - mit dem Wort "WeSot" - geendet hatte und Dawid haMelech führte Mosches Beracha mit dem Wort "Aschrej" fort. Jede Generation folgte der Tradition ihrer Vorfahren und hielt sich dabei an die Messora (Überlieferung) der Patriarchen.

Dies bedeutet Pachad Jizchak. Jizchak war der erste Patriarch, der ein Sohn eines frommen Vaters war. Awraham Awinu fehlte die Erfahrung eines frommen Vaters, welcher Traditionen in Ruchniut (Geistigkeit) an ihn weitergegeben hätte. Awraham war ein "Bilderstürmer", der seinen eigenen geistigen Pfad ebnen musste. Doch Jizchak hatte Tradition. Er hatte einen frommen Vater, also zeigte er seinen Kindern die Rolle des Pachad Jizchak – die Furcht und das Zögern, auch nur ein Jota vom Weg seines frommen Vaters abzuweichen.

Halte dich an die Tradition deiner Eltern. Dies verkörperte Jizchak.

Man könnte fragen, war nicht auch Jizchak innovativ? Der Rambam lehrt, dass er das Mincha Gebet einführte und der erste war, der den Zehnten absonderte [Mischne Torah Hilchot Melachim 9:1]? Wenn man dies näher anschaut, wird man jedoch feststellen, dass Jizchak auch hier seiner Einstellung treu blieb. Jizchaks "neue Erfindungen" ebneten keine neuen Pfade, waren keine neuen geistigen Einrichtungen. Er untermauerte lediglich die Neuerungen seines Vaters, weil er fühlte, dass er zusätzliche geistige Aktivität brauchte, um die gleiche Stufe wie Awraham zu erreichen, obwohl jener es ohne sie geschafft hatte.

Jizchak sagte nicht "Mein Vater betete einmal täglich, also ist es genug, wenn ich einmal täglich bete." Er fühlte "Ich bin nicht so gut wie mein Vater. Meinem Vater genügte es einmal täglich zu beten. Auf meiner niedrigen Stufe muss ich mindestens zweimal täglich beten!" Ähnlich fühlte er "Mein Vater musste kein Mass festlegen für sein Hakarat haTow (Dankbarkeit) zu Haschem, weil es bei ihm natürlich war. Ich bin nicht auf seiner Stufe. Ich werde Ma'asser (Zehnten) geben." All dies war jedoch im Rahmen von Awrahams Vermächtnis. Schliesslich war Jizchaks Essenz nicht Innovation sondern das Befolgen von Tradition. Pachad Jizchak: Das Vermächtnis seines Vater lebendig erhalten.

Jetzt begreifen wir auch warum der zweite Chasan, der während der Wiederholung der Schemone Esre den ersten ablöst, mit jenem Abschnitt beginnen muss, in welchem der Erste stehen geblieben ist.



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