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Purim

Aus: Die Jüdische Zeitung, Nr. 10, 12. Ador 5777 / 10. März 2017

Von Rav A.A. Rabinowitsch

Ergänzt von S. Weinmann

 

Was war die Ursache für die Gesera (das Verhängnis) von Haman

Die Talmidim (Schüler) fragten Rabbi Schim’on ben Jochai : Warum drohte den Jehudim in der damaligen Generation die Vernichtung? Er antwortete: Sie sollen selbst einen Grund nennen. Ihre Antwort war: «Mipnej schenehenu Mise’udato schel oto Rascha» - Weil sie es genossen hatten, an der Se’uda (Mahlzeit) von Achaschwerosch teilzunehmen. (Traktat Megila 12a)

Die Frage liegt auf der Hand und wird von Meforschim (Kommentatoren) gestellt: War denn die Teilnahme an der Mahlzeit von Achaschwerosch eine so schlimme Awera (Sünde), die eine Gesera, wie diejenige von Haman heraufbeschwören konnte? Es war ja schliesslich (nach gewissen Meinungen) alles koscher ausser dem Problem von «Bischul Akum (von Nichtjuden gekochtes Essen)» und dem nichtjüdischen Wein «Stam Jenom», die Verbote unserer Chachachim (Weisen) sind? (Siehe Michtaw Me’elijahu 1,76 und Bejt Halevi Paraschat Jitro)

Ausserdem glaubten die Jehudim von Schuschan, dass der König schwer beleidigt sein würde, wenn sie nicht an seinem Festmahl teilnehmen würden und nachdem Achaschwerosch bekanntlich ein unberechenbarer Mensch war, hätten sie in diesem Fall mit dem Schlimmsten für Klal Jisrael  zu rechnen.

Die Antwort auf diese Frage liegt vielleicht in den Worten: «Mipnej schenehenu» - weil sie es genossen, an der Se’uda von Achaschwerosch teilzunehmen. Es steht nämlich nicht: Weil sie gegangen sind oder weil sie gegessen haben. Es war für sie eine Ehre und eine Freude, am Festmahl des Königs teilnehmen zu dürfen. Sie zeigten damit, wohin sie gehören und woran sie Freude haben, ob an Tora und Mizwot oder an nichtjüdischen Festlichkeiten.

Diese Art der Teilnahme an der königlichen «Mischte/Mahlzeit» verursachte einen grossen Kitrug (Anklage) im Himmel gegen das jüdische Volk und bewirkte die ganze «Gesera» von Haman. (Siehe Belehrung und Mahnung von Rabbiner Salomon Breuer, Parschat Sachor).

Als Haman den König Achaschwerosch überreden wollte, das jüdische Volk zu vernichten, begann er mit den Worten: «Jeschno Am echad» - Es gibt ein Volk (Esther 3,8). Warum steht nicht «Jesch Am echad?» Im Wort «Jeschno» ist das Wort «Schina» - Schlaf angedeutet. Haman wollte damit sagen: Die Jehudim können nicht mehr mit der Hilfe von Haschem rechnen, denn sie erfüllen die Mizwot nur noch schlafend, ohne Freude und Begeisterung. Die Freude haben sie an nichtjüdischen Anlässen und körperlichen Genüssen. (Traktat Megila 13b und Maharscha, Schem Mischmuel Parschat Schekalim)

Dort wo ein Mensch Freude hat, dort gehört er hin. Über den Passuk in Paraschat Toldot (Bereschis 25,23): «Ule’Om Mile’Om je’emoz - Eine Nation wird mächtiger als die andere sein», sagen Chasal (unsere Weisen) in der Gemara: Kisri (Cäsarea, eine römische Festung) und Jeruschalajim können nicht beide gleichzeitig gross und mächtig sein. Ist Jeruschalajim oben, dann ist Kisri unten, ist Kisri oben, dann ist Jeruschalajim unten. (Megila 6a).

Ja’akow und Ejsaw können nicht beide die Oberhand haben. Chasal wollen damit auch andeuten, dass ein Jehudi entweder Chejschek (Lust) und Vergnügen an Tora, Mizwot und jüdische Simches oder an körperliche Genüsse und nichtjüdische Anlässe hat. (Schem Mischmuel Parschat Schelach)

Wenn es einem Jehudi gelingt, die Lust für Limud Hatora (Toralernen) und Kijum Hamitzwot (Erfüllung der Mizwot) zu verstärken, verschwindet die Lust für Sünden und verbotene Genüsse automatisch.

Zu Lebzeiten des Chason Isch war ein Jeschiwa-Bachur (Student) auf Abwege geraten und hatte die Lust am Lernen gänzlich verloren. Einer seiner Rebbes kam zum Chason Isch, um sich zu beraten, wie man mit ihm vorgehen soll. Der Chason Isch schlug vor, dass man den Bachur zu ihm bringen solle; er wollte mit ihm sprechen.

Der Bachur kam zum Chason Isch und er unterhielt sich mit ihm eine längere Zeit intensiv über verschiedene Themen des Talmuds, ohne mit ihm ein einziges Wort über seine Sünden zu sprechen und sagte anschliessend seinen Lehrern: Jetzt könnt ihr euch wieder richtig mit dem Jeschiwa-Studenten abgeben.

Was war das Geheimnis des Chason Isch? Er wollte dem Bachur die Lust und den Geschmack am Lernen wieder zurückgeben, dann würde er von selbst die Lust an den verschiedenen anderen Vergnügen verlieren.

Es ist sehr interessant zu bemerken, dass die wunderbare Rettung der Jehudim in der damaligen Zeit auch während der Se’uda von Achaschwerosch ihren Anfang genommen hatte, nämlich durch den Zorn des Königs gegen die Königin Waschti und ihre Hinrichtung, währen der festlichen Mahlzeit.

Der Vorfall zwischen Achaschwerosch und Waschti ereignete sich nach Chasal am Schabbat. Am Schabbat gingen die Jehudim nicht zur Festmahlzeit, da an diesem Tag noch ein weiteres Problem hinzukam, dass das Essen am Schabbat gekocht wurde. Das war ein weiterer Issur MideRabanan (rabbinisches Verbot) von «Ma’assej Schabbat», das Verbot von einer am Schabbat durch einen Nichtjuden verrichteten Arbeit, zu geniessen.

Weil sie (zumindest) am Schabbat dem Entscheid von Mordechai folge leisteten, nicht an der Mahlzeit teilzunehmen, begann auch am Schabbat bei der Mahlzeit die Jeschu’a (Rettung) des jüdischen Volkes. (Bejt Halevi Paraschat Jitro).

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Josef Dov Soloveitschik [Bejt Halevi] (1820 – 1892), Rosch Jeschiwa in Woloschin, Rabbiner von Sluzk und Brisk (Brest-Litowsk), Vater der Brisker Dynastie. Urenkel von Rabbi Chajim von Woloschin. Verfasser von div. Werken, wie Bejt Halevi (3 Teile, Responsen) und Kommentar zum Chumasch, etc.

Rabbi Awraham Jeschaja Karelitz [„Chason Isch“] (1878 – 1953): Rabbiner und Gelehrter, weltweit führende Autorität in jüdischem Recht und Lebensführung; Wilna, Litauen; Benej Berak, Israel

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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