Raw Frand zu Parschat Chukat 5767 (Beitrag 2)

Wir sollten Menschen schätzen, wenn wir sie haben

Es besteht eine poetische Symmetrie in der Reise der Jehudim durch die Wüste: Sie begannen mit einem Lied (in Parschat Beschalach) und endeten mit einem Lied (hier in Parschat Chukat). Obwohl wir Parschat Chukat nur einige Monate nach Parschat Beschalach lesen, springt die historische Erzählung in Parschat Chukat fast 40 Jahre vorwärts bis zum Ende der Wander-Periode, zu der nach der Episode mit den Spionen das jüdische Volk verurteilt wurde.

Die dieswöchige Parscha beinhaltet die Schirat HaBe’er (das Lied des Brunnens). Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zwischen dem Lied nach Kriat Jam Suf (dem Spalten des Meeres) und dem Schirat HaBe’er. Der erste Unterschied ist, die Schirat HaJam beginnt mit „Dann sangen Mosche und die Kinder von Israel dieses Lied.“ [Schmot 15:1] Die Schirat HaBe’er hingegen beginnt mit; „Dann sangen die Kinder von Israel dieses Lied“ [Bamidbar 21:17] mit dem beachtenswerten Fehlen des Namen von Mosche Rabbenu.

Der zweite Unterschied ist, dass dies ein Lied über den wunderbaren Be’er (Brunnen) ist, der sie während fast der ganzen Zeit in der Wüste begleitete, und nicht über den Krijat Jam Suf, der nur einmal geschah. Die Schirat HaJam wurde spontan gesungen, zur passenden Zeit sozusagen. Weshalb nahm es dann 40 Jahre, um über den Be’er zu singen, der sie so viele Jahrzehnte begleitet hatte?

Ich sah dazu einen Gedanken, der beide diese Themen anspricht. In dieser Parscha wird der Tod von Miriam beschrieben. Chasal sagen, dass die Jehudim den Be’er in Miriams Verdienst hatten. Als Miriam starb, verschwand der Be’er. Es benötigte ein Wunder von Mosche Rabbenu, um ihre Wasserversorgung wieder herzustellen.

Klal Jisrael sah erst dann klar, was Miriam für sie getan hatte, als der Brunnen verschwand. Wir neigen dazu, gewisse Dinge und Menschen als selbstverständlich anzuschauen. Wir gehen zum Wasserhahn und drehen das Wasser an. Wir erwarten, dass das Wasser dort sein soll. Wir realisieren nicht, dass wir dieses Wasser haben, aufgrund einer geologischen Infrastruktur, die es ermöglicht, dass das Wasser uns zur Verfügung steht. Wir denken nicht an das „Wunder“, das in dieser Prozedur involviert ist.

Lasst uns vorstellen, wir würden zu einer Steinquelle in der Wüste gehen und wären fähig, davon Wasser zu bekommen, wann immer wir wollten. Wir würden uns auch daran gewöhnen. Unsere Kinder würden sicher annehmen, dass es so sein muss. Als Miriam starb und sie sahen, dass der Be’er verschwunden war, dann verstanden sie es, und sagten: „Schaut, was Miriam all die Jahre für uns getan hat.“

Deshalb ist der Schirat HaBe’er nicht nur ein Tribut an einen Brunnen. Es ist ein Tribut an Miriam. Man nimmt andere Menschen als selbstverständlich hin. Sehr oft beginnt man Menschen erst dann zu schätzen, wenn sie abwesend sind. Man denkt, Leute sind da, um das Wasser für einen anzudrehen und dass das Wasser immer dort sein wird. Plötzlich verlässt einem diese Person und dann realisieren wir: Es war nur wegen dieser Person, dass wir je Wasser hatten.

Dies ist die Natur von Menschen. In seiner Gerechtigkeit und seiner Weisheit, schätzte Mosche Rabbenu Miriam’s Rolle die ganze Zeit. Er brauchte nicht das Fehlen des Be’er, um zu realisieren, was sie für die Jehudim all die Jahre getan hatte. Es nahm ihm nicht 40 Jahre, um Miriam zu schätzen. Er wurde nicht plötzlich nach 40 Jahre inspiriert und sang. Es war nur der ganze Rest von uns, der -- nach einer verspäteten Annerkennung – sang „Dann sang Israel dieses Lied.“ Es ist sehr traurig, wenn wir Leute nicht schätzen, solange wir sie noch haben.



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