Gedanken zu Parschat Chukat 5771

Grosse Sünden oder Sünden der Grossen?

Aus DJZ, Nr. 24, 6. Tamus 5770, bearbeitet von S. Weinmann

In Parschat Chukat steht über Mosche, dass er eine Sünde begangen hat. Und nicht bloss eine einfache Sünde, sondern eine solche, die sein Hineingehen nach Erez Jisrael blockierte. Es scheint also, als ob es sich um eine grosse Sünde handelt.

Den Meforschim (Kommentatoren) der Tora fällt es aber nicht leicht, wirklich klar eine Sünde zu finden. Wir haben ja absolut keinen Begriff, auf welch hoher geistigen Stufe sich Mosche Rabejnu befand. Als so grosse Person kann man ihm sicher keine grosse Sünde zutrauen.

Der Abarbanel beispielsweise bringt zehn verschiedene Erklärungen, von welcher „Sünde“ der Passuk hier gesprochen haben könnte, lehnt sie aber alle ab, und versucht eine neue Erklärung zu finden. Andere Meforschim wollen sogar sagen, dass Mosche auch hier keine Sünde begangen hatte, und dass die „Strafe“ nicht nach Erez Jisrael hineingehen zu dürfen, nicht als Strafe für Mosche, sondern als einen Vorteil für die Benej Jisrael angesehen werden muss, da sie sich noch nicht auf einer genug hohen Stufe befanden, als dass Mosche sie nach Erez Jisrael hineinführen könnte.

Anderseits ist im Passuk, wenn man ihn zumindest auf oberflächlichen Weise betrachtet, ersichtlich, dass Mosche doch eine Sünde angelastet wird (20,12): „Weil ihr Mir nicht geglaubt und nicht meine Heiligkeit vor den Augen der Kinder Jisraels gezeigt habt (durch das Wasser), darum sollt ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen...“

Raw Dessler sZl. möchte uns diese Angelegenheit erläutern. Wenn jemand über eine Person sagt, dass sie ein Verbrechen begangen hat, dann kann man unmöglich wissen, von welcher Art Verbrechen die Rede ist, bis man die Person, die diese Behauptung aufstellt, nicht klar kennt und weiss, auf welcher geistigen Stufe sie sich befindet und was ihre eigenen Gewohnheiten sind.

So können wir einerseits in der Gemara (Makot 24) finden, dass nach Raw Safra ein Mensch, der nicht die vollständige Wahrheit in seinem Herzen spricht, als „lügenhaften Mensch“ bezeichnet werden muss. In der Tossefta (Bawa Kama 87) wird jemand, der einen Ausspruch nicht im Namen des Urhebers sagt, als Dieb angesehen. Anderseits gibt es Menschen, die nicht einmal einen Betrug im Geschäftsleben als Diebstahl betrachten. Ein richtiger Dieb wird auch den Diebstahl eines Gegenstands nicht als Raub sehen. Denn jeder Mensch wird von seinen Eigenschaften und Stufen der G“ttesfurcht beeinflusst, sodass er seine Aktionen entsprechend einstuft.

Es ist klar, dass die Tora selbst von jeglichem solchen Einfluss bewahrt ist. Die Tora steht über allen Gedankengängen der Menschen und sieht somit jede kleine Handlung und den geringsten Gedanken eines Menschen in einem klaren Bild.

Ein Beispiel dafür können wir bei der Geschichte mit Achan (Jehoschua 7) finden. Nachdem er eine Sünde begangen hatte, indem er etwas von der Stadt Jericho, über die ein Cherem (Bann) ausgesprochen wurde, mit sich nahm, schreibt der Passuk:  „Da sprach Haschem zu Jehoschua Steh auf! Warum liegst du da auf deinem Angesicht? Jisrael hat gesündigt, und auch Meinen Bund übertreten…und sie haben auch vom Cherem (von dem Gebannten) genommen, auch gestohlen, auch geleugnet und auch in ihren Geräten versteckt. Darum kann Jisrael nicht bestehen vor seinen Feinden…Es ist Gebanntes in deiner Mitte, Jisrael…!“ Würde man diesen Passuk sehen, ohne die Geschichte zu kennen, würde man sicher denken, dass wahrscheinlich der ganze, oder zumindest der grösste Teil von Klall Jisrael gestohlen hat. Alle Jehudim werden ja beschuldigt, gestohlen zu haben! Der Passuk sagt aber selbst, dass nur Achan alleine gesündigt hatte, wie es heisst: „Aber die Kinder Jisraels vergriffen sich an dem Cherem; denn Achan… nahm etwas vom Gebannten. Da entbrannte der Zorn des Ewigen über Jisrael.“

Nachdem die Tora aber auf einer hohen Stufe spricht und nicht von persönlichen Gedankengängen beeinflusst ist, bezeichnet sie ganz Klall Jisrael als Diebe. Denn die Gemeinschaft hat bekanntlich auf den Einzelnen Einfluss. Wäre Jisrael auf einer höheren Stufe gewesen, dann hätte es nicht geschehen können, dass ein Einzelner in Klall Jisrael eine solche Tat begeht. Die Tora schaut daher jeden, der diesen winzigen Makel aufweist (nicht auf einer höheren Stufe zu sein), als Dieb an.

Daher sagt auch die Gemara (Schabbat 55): „Jeder, der sagt, dass Re’uwen gesündigt hatte…dass die Söhne von Eli sündigten… dass die Kinder von Schmuel sündigten… dass König David sündigte… dass Schlomo Hamelech sündigte… irrt sich vollkommen!“

Denn mit unsern Gedankengängen kann man ihre Sünde nicht erkennen und wir dürfen daher auch nicht behaupten, dass sie gesündigt haben!

Wenn wir zu Mosche Rabejnu kommen, der sich doch auf der höchsten geistigen Stufe befand, die ein Mensch erreichen konnte, wollen wir gar nicht versuchen zu verstehen, womit er gesündigt hatte, denn mit unserem Gedankengang kann seine Sünde unmöglich erfasst werden!

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