Aw
/Paraschat Ejkew

Die jüdischen Monate

Der Monat Nissan

 (Aus Sefer Hatoda’a / Das Jüdische Jahr. Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann)

Ein Monat der Erlösung

Das Wort 'Erlösung' wird nur dann erwähnt, wenn es sich um ein Hinausgehen aus der Dunkelheit zum Licht handelt. Ein Mensch, der nie das Leid der Versklavung und der Unterdrückung verspürt hat, ist nicht imstande eine Erlösung zu schätzen. Um den wahrhaften Sinn von Erlösung zu verstehen, muss man das Gefühl der Freiheit haben, das man nach der Unterdrückung verspürt. Wären die Benej Jisrael nie versklavt gewesen, so hätten sie nie wahre Freiheit erlebt. Die Versklavung selbst war es, die eine Erlösung hervorbrachte. Nur aus der Finsternis kann das Licht hervorbrechen! So sagten unsere Weisen: Die Benej Jisrael sprachen zu dem Heiligen, gelobt sei Er: Herr der Welt, wann wirst Du uns erlösen? Da antwortete Er: Erst wenn ihr in die tiefste Stufe gesunken seid, kann Ich euch erlösen. (Jalkut Hoschea 533)

Als Jizchak geboren wurde, sagten alle: Dieses Kind ist als Sklave geboren, denn G'tt hat ja zu Awraham gesagt: 'Ki Ger Jihje Saracha - ein Fremdling wird dein Nachkomme sein'. Jizchak wurde aber der Stammvater einer Nation, die Erlösung und Freiheit erfahren durfte.

Auch bei der 'Akeda' - als Jizchak auf den Altar gebunden wurde, schien es, als ob Awrahams Nachkommen für immer aus der Welt verschwinden sollten. Doch gerade die Bindung Jizchaks ist zur Quelle eines Privilegs geworden. Jizchaks Verdienst war es, den kommenden Generationen zu ewigem Bestand zu verhelfen.

Als Jakow Essaws Kleider anzog, um den Segen seines Vaters zu erhalten, fürchtete er sich, als Betrüger in den Augen seines Vaters zu erscheinen, und glaubte so, einen Fluch statt einen Segen auf sich zu laden. Doch als er dann hinausging, war er mit Segen für sich und die kommenden Generationen überhäuft.

So ist es immer in der Geschichte Israels. Nach Not und tiefem Leid kommt Errettung und Licht. Je grösser das Leid, umso heller erstrahlte das Licht danach! Auch die kommende Erlösung wird das Dunkel durchbrechen. In dem Augenblick, in dem jedes Herz verzweiflungsvoll zittert, wird G'ttes Herrlichkeit erstrahlen. Und wann wird dies sein? Im Monat Nissan, den G'tt zur Erlösung bestimmt hat. Wie gross auch das Unglück sein möge, das Israel in diesem Monat geschieht, ist es nichts anderes als ein Zeichen für den Beginn der Erlösung.

So verbinden auch unsere Weisen den Vers' Hachodesch Hase... - dieser Monat sei euch ... ' mit den Versen in Tehillim (33, 11): 'Azat Haschem

Leolam Taamod... - der Rat G'ttes wird immer Bestand haben...' und 'Aschrej Hagoi, Ascher Haschem Elokaw - wohl dem Volk, das den Ew'gen seinen G'tt nennt.' (ibid . 33, 12) Als der Heilige, gelobt sei Er, diese Welt erwählt hatte, setzte er Monate und Jahre für immer fest: 'G'ttes Rat hat für immer Bestand'. Als er Jakow und seine Söhne auserwählte, hat Er für sie einen Monat der Erlösung bestimmt, einen Monat, in dem Israel aus Ägypten erlöst werden wird, einen Monat, in dem sie auch die endgültige Erlösung erleben werden. In diesem Monat wurde Jizchak geboren, und in diesem Monat wurde er auf den Altar gebunden. In diesem Monat erhielt Jakow seinen Segen und in diesem Monat deutete G'tt Israel an, dass Nissan der Anfang ihrer Erlösung sein werde. Denn es heisst: 'Es sei euch der erste der Monate des Jahres' und darum heisst es auch: 'Aschrej Haam Schehaschem Elokaw - glücklich das Volk, dessen G'tt der Ew'ge ist.' (Schemot Rabba 15)

Rosch Werischon - Der Kopf und der Erste

Der Monat Nissan wird 'Der Kopf der Monate' genannt, damit man alle anderen Monate nach ihm aufzähle. Warum ist dies so? Der Tag der Erlösung ist wichtiger als der Tag der Geburt, und Erlösung ist ein Ereignis, das alle anderen Geschehnisse in den Schatten stellt. Bevor Israel aus Ägypten zog, pflegten sie die Zeit vom Schöpfungstage an zu zählen, oder auch von der Welterneuerung an nach der Sintflut. So heisst es: 'Zwei Jahre nach der Sintflut' (Bereschit 11, 10). Auch die Geburt Awrahams oder der Bund - Brit Bejn Habetarim - wurden zum Anhaltspunkt der Zeitrechnung: 'Und es war am Ende von 430 Jahren...' (Schemot 12,41). Sobald aber das Volk aus Ägypten befreit herauszog, wurden all diese Zeitrechnungen nicht mehr benutzt, man zählte dann nur noch von der Befreiung an: 'Dieser Monat sei für euch Anfang der Monate.'

Man kann dies mit einem König vergleichen, der ein grosses Fest bereitete, als ihm ein Sohn geboren wurde. Dieser Sohn geriet in Gefangenschaft für einige Zeit. Als er dann durch Lösegeld wieder frei wurde, bestimmte der König diesen Tag als Jahrestag. Bevor Israel nach Ägypten hinunterzog, pflegten sie die Jahre bis zum Beginn der Unterjochung zu berechnen, d.h. sie zählten vom Bund mit Awraham an, um festzustellen, wieviele Jahre schon vorbei sind von den vorausgesagten 400 Jahren der Knechtschaft. Doch vom Tage ihrer Befreiung an, nachdem G'tt ihnen all die Wunder hat geschehen lassen, begannen sie die Zeit mit dem Monat ihrer Erlösung zu zählen: 'Dieser Monat sei euch Anfang der Monate.' (Schemot Rabba 15)

'Der Erste sei er für euch.' Alles was mit Erstem bezeichnet wird, ist für euch, für euer Wohlergehen. Es ist dann unwichtig, ob die Sache an sich gut oder schlecht ist, für euch ist sie gut. Das Erste ist immer für euch - zu eurem Nutzen.

'Der Erste sei er für euch' ist auch eine Andeutung für G'tt, den Ersten. So steht in Jeschajahu 44, 6: 'Ich bin der Erste...' Auch Zion wird Rischon - das Erste genannt' ... Marom Merischon Mekom Mikdaschenu .. .' (Jirmijahu 17, 12) Essaw wird ebenfalls 'der Erste' genannt: 'Wajeze Harischon... ' (Bereschit 25, 25) Auch der Maschiach heisst 'der Erste', denn es heisst: 'Rischon Lezion... - der Erste für Zion, siehe er kommt...' (Jeschajahu 41, 27) Der Heilige, gelobt sei Er, der der Erste genannt wird, wird kommen, um das Bejt Hamikdasch, das das Erste genannt wird, wieder aufzubauen. Er wird Essaw, der auch der Erste genannt wird, die gerechte Strafe geben. Dann wird Maschiach, der auch 'Erster' genannt wird, kommen, und dies im ersten Monat. 'Dieser Monat sei euch der Erste...' (Schemot Rabba 15)

Der Name Nissan

Drei Namen hat dieser Monat: Anfang der Monate - der erste Monat, Chodesch Haawiw und Nissan. In der Tora wird er als 'der erste Monat' erwähnt, denn er ist der erste der Monate des Jahres. Er wird auch Chodesch Haawiw - Frühlingsmonat - genannt, denn in diesem Monat spriessen alle Pflanzen und alles erwacht zu neuem Leben. Die Welt wird in ihm mit Reichtum und neuer Kraft bedacht.

Der Name Nissan ist babylonischen Ursprungs. Die Juden führten diesen Namen ein, als sie aus dem babylonischen Exil zurückkehrten. Auch dieser Name bedeutet 'Frühling', denn Nissan ist ähnlich wie Nizan und dies bedeutet 'Knospe', so wie es in Schir Haschirim heisst: 'Hanizzanim Niru Baarez - die Knospen werden im Lande sichtbar.' Die Weisen der späteren Zeit fanden in dem Wort 'Awiw' eine Andeutung: Aw-iw(12), - der Buchstabe Jud hat den Zahlenwert 10 und Bejt den Zahlenwert 2. Iw ergibt den Zahlenwert: 12 - Vater der 12 (Monate).

Das Sternzeichen des Monats ist der Widder, und dies erinnert an 'Seh Lewejt Awot - ein Lamm für jedes Haus', welches von Israel für das Pessachopfer gefordert wird.

Noch bevor Israel das Gebot erhalten hatte, ein Lamm für das Opfer im Nissan zu nehmen , hatten andere Völker, und hauptsächlich Ägypten, den Widder als Symbol für die Kraft dieses Monats erkoren. In diesem Monat ist das Sternbild eines Widders deutlich am Himmel sichtbar; Widder als Sinnbild von Reichtum werden in der heiligen Sprache auch 'Aschtarot' genannt. Dies bedeutet, dass sie ihre Besitzer bereichern - Maaschirot Et Baalejhem. Nissan ist Quelle des Segens und des Lebens für das ganze Jahr.

Die Ägypter, deren ganzes Lebensziel nur Reichtum und Körperkraft war, sahen den Widder als Gottheit an, verbeugten sich vor ihm und beteten ihn an. Doch Israel, das sich G'tt zuwendet, erhielt den Befehl, die Gottheit der Ägypter, ihrer Herren, als Opfer darzubringen. Nur G'tt allein kann Reichtum und Kraft spenden. Sowohl für die Ägypter als auch für Israel ist der Widder das Sternzeichen des Monats Nissan. Doch für Israel ist es ein Symbol des G'ttesdienstes, für die Ägypter aber des Götzendienstes.

Den Vers 'Ziehet und nehmet euch Schafe für eure Familien und schlachtet das Pessachopfer' (Schemot 12, 21) erklären unsere Weisen: 'Ziehet eure Hände vom Götzendienst weg, nehmet euch Schafe, schlachtet die ägyptischen Götter und bringet ein Pessachopfer.' (Schemot Rabba 16) Ziehet euch vom Götzendienst zurück und haltet an den Mizwot fest. (Jalkut Bo 206)

Der Monat Nissan hat immer 30 Tage und nur einen Tag Rosch Chodesch.

Die Mizwa, Nissan als den ersten Monat zu zählen

So schreibt Ramban: ' Dieser Monat sei euch der Anfang aller Monate' bedeutet, dass beim Aufzählen der Monate Israel mit Nissan beginnen soll, Ijar, der Zweite usw., so dass beim Nennen der Monate das grosse Wunder des Auszuges stets in der Erinnerung wachgehalten wird. Darum haben die Monate in der Tora keine Namen, sondern es heisst: 'Im dritten Monat' oder 'Es war im zweiten Jahr, im zweiten Monat als die Wolke sich erhob' oder 'Im siebten Monat, am ersten des Monats' und viele andere Beispiele.

Ähnlich ist es beim Aufzählen der Wochentage, die immer Bezug auf den Schabbat haben, um ihn in Erinnerung zu bringen. So soll auch der Auszug aus Ägypten und die Befreiung beim Aufzählen der Monate uns immergegenwärtig bleiben.

Der eigentliche Jahresanfang beginnt mit dem Monat Tischri. 'Und das Fest des Einsammelns bei der Jahreswende' und 'Wenn das Jahr zu Ende geht.' Doch nennen wir Nissan den ersten und Tischri den siebten Monat, weil wir damit ausdrücken wollen, dass Nissan der erste der Befreiung ist.' (Ramban zur Tora, Schemot 12)

Nach einer Auffassung ist es nicht richtig, für Dokumente und amtliche Papiere die nicht-jüdischen Monate mit 1. ,2. ,3. usw. zu bezeichnen, weil uns die Tora vorschreibt, Nissan den ersten zu nennen. Kein anderer Monat als der Nissan soll erster Monat genannt werden. So sollte man die nichtjüdischen Monate mit ihren Namen Januar, Februar, März usw. erwähnen.

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