Die Schriftrollen, welche sie am Schabbat lasen, gaben ihnen Hoffnung
Es gibt einen bemerkenswerten Midrasch Tanchuma, der Pharao’s Reaktion auf die 10 Plagen beschreibt. Der Vers [Schemot 5:9] beschreibt, wie Pharao, als Reaktion auf die Plagen, die Unterdrückung der Sklaven verschärfte: „Die Arbeit muss diesen Menschen erschwert werden, damit sie sich damit beschäftigen und sich nicht an trügerische Reden halten.“ Der Midrasch deckt die Natur dieser „trügerischen Reden“ auf, über welche Pharao so besorgt war: „Sie besassen Schriftrollen (Megillot), aus denen sie an jedem Schabbat mit Freude vorlasen. In den Schriftrollen stand das Versprechen, dass G’tt sie erlösen und hinausführen werde. Pharao wollte ihnen noch mehr Arbeit aufladen, damit sie keine Zeit mehr hatten, in diesen Schriftrollen der ‚Propaganda und Fantasie‘ zu lesen.“
Wir müssen folgendes verstehen: Warum sorgte sich Pharao um die Freizeitbeschäftigungen der Sklaven? Was kümmerte es ihn, dass sie in diesen Schriftrollen lasen, solange sie ihre Arbeit verrichteten? Warum verfolgten ihn diese Schriftrollen?
Vielleicht bedeuteten diese Schriftrollen mehr als ein Mittel, um die Zeit am Schabbat auszufüllen. Pharao wollte nicht nur, dass die Leute für ihn arbeiteten. Er wollte ihren Mut brechen. Um die Lebensgeister eines Volkes schwinden zu lassen, muss man ihm das wegnehmen, was jeder Mensch und jedes Volk braucht – Hoffnung. In den Schriftrollen, in denen sie an jedem Schabbat lasen, stand, dass G’tt sie erlösen werde. Diese Schriftrollen flössten ihnen Mut ein. Sie wussten, dass trotz der misslichen Lage und der Schrecken, es ein Ende geben werde. Letzten Endes würde G’tt sie erlösen.
Die Juden verstanden den Grund für diese schlimmen Zustände nicht. Sie waren rechtschaffen. Die Ägypter waren böse Menschen. Sie fragten sich: Warum müssen die Gerechten leiden? Aber trotz allem, trotz allen Fragen, hatten sie die Kraft zum Weitermachen. Warum? Weil sie den Schriftrollen entnahmen, dass G’tt sie erlösen würde und das gab ihnen Hoffnung.
Ein Volk bricht zusammen, wenn man ihm die Hoffnung wegnimmt. Die Lage, in der ein Mensch sich befindet, mag noch so verzweifelt sein; solange ihm noch ein Funken Hoffnung bleibt, ist er nicht gebrochen. Diesen Hoffnungsfunken wollte Pharao auslöschen.
Quellen und Persönlichkeiten: Midrasch: Erklärungen zur Torah, sehr oft mit Gleichnissen.
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