Derjenige, Welcher niemals schlummert und niemals schläft, sucht sich einen Führer, der die Schafe zählt
Der Midrasch sagt, dass Mosche Noach überlegen war. Noach wurde zuerst als „ein gerechter Mann“ [Berejschit 6:9] und erst später als „ein Mann der Erde“ [9:20] bezeichnet; Mosche wurde zuerst als „ein ägyptischer Mann“ [Schemot 2:19] und später als „ein Mann G’ttes“ [Devarim 33:1] bezeichnet. Worin lag der Unterschied zwischen Mosche und Noach?
Noach war im Grunde ein rechtschaffener Mensch, aber er konnte seine Generation nicht zum Guten beeinflussen. Das ist eine schlimme Anklage gegen einen Führer. Kann jemand ein Gerechter bleiben - was sicher eine bewundernswerte Eigenschaft ist - während seine ganze Generation ausgelöscht wird, dann ist etwas schief gelaufen. Er hatte enorme Fähigkeiten und hätte soviel Positives bewirken können, aber trotzdem: Seine ganze Generation wurde ausgelöscht.
Mosche Rabbejnu zeigt uns einen anderen Zugang. Er fing als „ein ägyptischer Mann“ an. Ihm jedoch gelang es nicht nur, sich selbst zu erheben, sondern auch ein ganzes Volk auf eine höhere Stufe zu bringen. Er war und ist bis heute der Führer par excellence.
Worin bestand seine Kraft, die es ihm erlaubte, einen derart starken Einfluss auf sein Volk auszuüben? Es gibt einen Midrasch der sagt: „G’tt verleiht einem Menschen erst wirkliche Grösse, nachdem er ihn in einer unbedeutenden Sache geprüft hat.“ Der Midrasch fährt fort und berichtet uns, dass G’tt Mosche (und andere jüdische Persönlichkeiten) in einer geringen Sache erprobte - nämlich, wie er für Schafe sorgte - bevor Er ihn zum Führer machte.
Wie kann man mit Schafen eine Führerpersönlichkeit erkennen? Es ist klar, dass ein Mensch über Seelengrösse verfügen muss, wenn er ein Führer des jüdischen Volkes werden will. Das alleine reicht jedoch noch nicht um ein Führer zu sein. Was eine Führerpersönlichkeit ausmacht, ist seine Fähigkeit, auf jeden Einzelnen einzugehen, die Fähigkeit, die tagtäglichen Bedürfnisse eines jeden zu erkennen. Es versteht sich von allein, dass G’tt einen Führer für sein Volk braucht, der Achtung vor dem Himmel hat und ein Talmid Chacham (Schriftgelehrter) ist, aber die Feuerprobe ist sein Umgang mit Schafen. Das Zeichen eines echten Führers ist seine Anteilnahme an den täglichen Sorgen eines jeden Menschen.
Hier war eine Person auf der Stufe eines Engels sie ass kein Brot und trank kein Wasser [Schemot 34:28] und womit musste sie sich auseinandersetzen? Wenn Leute kamen, um ihre Streitigkeiten darzulegen, brauchten sie keine hochgestochenen Beweise zur Existenz G’ttes. Sie erklärten ihm: „Ich habe Probleme mit meiner Frau, meinen Kindern, meinem Geschäft ...“
Dies bekommt ein Führer zu hören. Wenn er auf diese Art von Problemen nicht eingehen kann, so kann er kein richtiger Führer sein. Der Talmud [Sanhedrin 8a] hält fest, dass ein Richter mit seiner Gemeinde so mitfühlend sein muss wie ein Kindermädchen, das einen Säugling trägt [Bamidbar 11:12]. Das ist ein treffender Vergleich.
Mit welchen Problemen wird eine Mutter bei ihren Kindern konfrontiert? „Der Brei ist nicht warm. Der Brei ist nicht genügend abgekühlt. Meine Nase läuft. Ich habe mein Knie aufgeschlagen. Er hat mir weh getan. Sie hat mir einen Fusstritt gegeben.....“ Das sind die Probleme, mit denen sich eine Mutter herumschlagen muss.
Welche Sorgen auch immer Mosche Rabbejnu anhören musste: Klar ist, dass sie auf seiner Stufe nicht bedeutender oder banaler waren, als eine rinnende Nase. War es für Mosche Rabbejnu wichtig, dass die Kuh dieser Person nicht genügend Milch gab? So sollte ein Führer sein. Er muss diese Anteilnahme und Liebe haben, diese Fähigkeit zu fühlen, dass es ein echtes Problem ist, wenn Reuvens Kuh keine Milch gibt. Es ist für ihn ein Problem, wenn es Schimons Geschäft schlecht geht.
Mit Fragen dieser Art muss ein Führer umgehen können. Diese Art von Persönlichkeit war Mosche Rabbejnu. Er war nicht nur der Meister aller Propheten, der Lehrer Israels sondern auch ein erprobter Hirte. Er rannte, um ein kleines Schäfchen aufzunehmen. Er hatte Mitleid beim kleinsten Problem. Über das Ganze gesehen ist dies das wichtigste Kriterium für einen jüdischen Führer.
Quellen und Persönlichkeiten: Midrasch: Erklärung zur Torah, oft mit Gleichnissen.
Rav Frand, Copyright © 2007 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum.
Weiterverteilung ist erlaubt, aber bitte verweisen Sie korrekt auf die Urheber und das Copyright von Autor, Project Genesis und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum und auf
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
, sowie www.torah.org.
|