Das Trauma, mit einem untröstlichen Menschen umzugehen
Nach dem Tod seiner geliebten Frau Sarah, wandte sich Awraham Awinu (unser Vater) zu den Söhnen Chet’s und bat sie um einen Grabplatz für seine Frau. Dies ist bekanntlich der Auftakt zur Geschichte des Kaufs der Mearat HaMachpelah (Höhle zu Machpela, Doppelhöhle) wo vier biblische Ehepaare begraben sind (Adam und Chawa; Awraham und Sarah; Jizchak und Riwka; Ja’akow und Leah).
Der Pasuk benutzt einen uns sonderbar scheinenden Ausdruck: „Wajakam Awraham (und Awraham stand auf) me’al penej Meto (von der Anwesenheit seines Toten)" [Bereschit 23:3].
Die Kommentatoren erforschen eine spezielle Nuance des Ausdrucks "er stand auf." Was wird uns damit angedeutet?
Der Baal HaTurim sagt, dies lehrt uns, dass wir nicht in der Gegenwart eines toten Menschen reden dürfen. Awraham musste aufstehen und auf die Seite treten, bevor er seine Geschäfte mit den Söhnen Chet’s besprechen konnte.
Der Seforno erklärt, dass "er stand auf" uns lehrt, dass die Gesetze der Trauer bei Awraham noch nicht in Kraft waren (vor dem Begräbnis musste er nicht an seinem Platz sitzen bleiben, sondern konnte hinausgehen, um mit den Söhnen Chet’s zu sprechen).
Raw Jerucham Levovitz schlägt die folgende Erklärung vor: der Pasuk vermittelt uns, dass Awraham Awinu aufstand und sich von seiner persönlichen Trauer distanzierte, bevor er begann mit anderen Leuten zu kommunizieren. Oft ist es für trauernde Menschen sehr schwierig, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten. Wenn Menschen schreckliche Zeiten von Trauer durchmachen, dann ist ihr Kummer nur zu oft klar ersichtlich. Wenn sie dann mit anderen Leuten kommunizieren, werden diese Menschen ihrem Kummer ausgesetzt.
Der Pasuk lehrt uns, dass Awraham sich und seine Emotionen absolut beherrschte. Er war im Stande, seine Tränen wegzuwischen und andere nicht mit seiner Trauer zu belasten. "Meine Trauer ist eine grosse Trauer, doch da ich mich jetzt mit anderen Menschen befassen muss, sollen diese nicht meinem emotionellen Kummer ausgesetzt sein." "Er stand auf" – bedeutet, er verinnerlichte seine persönlichen Emotionen und verhandelte mit den Söhnen Chet’s, als ob nichts geschehen sei.
Sogar in dem traurigsten Moment seines Lebens, als er seine Frau verloren hatte, schaffte es Awraham Awinu seine Fassung zu behalten und Respekt für seine Mitmenschen zu zeigen. Dadurch ersparte er ihnen das Trauma mit einem untröstlichen Menschen umzugehen.
Rav Frand, Copyright © 2007 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum.
Weiterverteilung ist erlaubt, aber bitte verweisen Sie korrekt auf die Urheber und das Copyright von Autor, Project Genesis und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum und auf
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
, sowie www.torah.org.
|