Erkenntnisse von Avrahams Begräbnis
Die Torah berichtet, dass Avraham von seinen zwei Söhnen, Jizchak und Jischmael begraben wurde. [25:9] Raschi sagt, gestützt auf die Gemara [Bava Batra 16b], dass Jischmael seine schlechten Taten, die dazu geführt hatten, dass Avraham ihn hatte wegschicken müssen, bereute. Jischmael kehrte ins Haus zurück, doch er gab Jizchak den Vorrang und gestand ihm die Hauptrolle bei der Beerdigung von Avraham zu.
Rav Schwab fragte, wieso die Gemara bis zu diesem Pasuk in Chaje Sara warten musste, um den Beweis zu erbringen, dass Jischmael zurückkehrte. Es gibt einen früheren Beweis, dass Jischmael wieder in den Haushalt von Avraham aufgenommen worden war. Auf dem Weg zur Akejda (der Bindung Jizchaks) wurde Avraham von Jizchak und zwei Jünglingen begleitet. Unsere Weisen sagen, dass es sich um Elieser und Jischmael handelte. Wir sehen also, dass Jischmael und sein Vater sich bereits viele Jahre vor seinem Tod versöhnt hatten, dass Jischmael also wahrscheinlich schon vorher Reue gezeigt hatte.
Rav Schwab meint, dass die spätere Stelle ein besserer Beweis für die ehrliche Reue Jischmaels darstellt. Möglicherweise täuschte Jischmael seine Reue nur zu Avrahams Lebzeiten vor, aber seine Handlungen waren nicht von ehrlichen Gefühlen begleitet. Jetzt, nachdem Jischmael - trotz Avrahams Tod - Jizchak den Vorrang liess, können wir sicher sein, dass er ehrlich bereut hatte.
Rav Simcha Sissel Brody (der Rosch Jeschiwah der Jeschiwah "Chevron") versteht dies etwas anders. Er sagt, dass unser Pasuk in Chajej Sara den einzigen richtigen Beweis erbringt, dass Jischmael echte Reue zeigte. Die Handlung, welche Sara erschreckte und sie dazu brachte, darauf zu bestehen, dass Jischmael weggeschickt wurde, war, dass Jischmael Jizchak hänselte und ihn [Bereschit 21:9] „wie ein Sklave seinen Herrn verspottet“. Sarah sah die unerfreulichen Charakterzüge und die tiefbegründete Schamlosigkeit in Jischmaels Persönlichkeit. Obwohl er als Sohn der Nebenfrau im Haushalt eine tiefere Stellung innehatte, behandelte er seinen Bruder Jizchak so, als ob dieser derjenige mit tieferem Status wäre. Es waren nicht einzelne Taten sondern vor allem dieses Fehlen von Derech Erez (Respekt und anständige Umgangsformen), welche Sara überzeugten, dass er nicht zusammen mit Jizchak im gleichen Haus verbleiben konnte.
Deshalb, so sagt Rav Simcha Sissel, gibt es nur einen annehmbaren Beweis für Jischmaels Reue: Ein Ereignis, in dem Jischmael sich gegenüber Jizchak respektvoll verhielt. Der Beweis findet sich in unserem Pasuk, in dem Jischmael Jizchak vor sich in der Beerdingungsprozession schreiten lässt, obwohl Jischmael älter ist. Unsere Weisen sagen deshalb einhellig, dass wir aus der Abfolge der Namen in unserem Pasuk erkennen können, dass Jischmael Teschuwa gemacht hatte (tätige Reue zeigte).
Quellen und Persönlichkeiten: Rav Schimon Schwab (1908 - 1995): Rabbiner der Gemeinde Adat Jeschurun in Washington Heights, New York.
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