"Belohnung" oder "Verdienst": Ein geheimnisvoller Ba'al HaTurim erforscht Eliesers Gebet
Es gibt einen schweren, aber interessanten Ba'al HaTurim zum Vers "Und er sagte: "Haschem, G'tt meines Herrn Avraham, füge es doch heute so und erweise meinem Herrn Avraham Gnade" ("... wa'assej Chessed im Adoni Avraham")" [Bereschit 24:12]. Der Ba'al HaTurim sagt, dass die Schlussbuchstaben der letzten drei Worte des Pasuks ("... im Adoni Avraham") "Majim - Mem Jud Mem", auf Deutsch "Wasser" bedeuten. Der Ba'al HaTurim gibt deshalb Eliesers Worten folgende Bedeutung: "Als Lohn für "Bitte, nehmt ein wenig Wasser" [18:4] (als Avraham zu Beginn der letztwöchigen Parscha den Engeln Wasser anbot), antworte mir doch bitte mit Hilfe des Wassers."
Elieser schloss mit G'tt eine Abmachung. Die Abmachung war, dass er das Mädchen, das ihm Wasser anbieten und auch den Kamelen Wasser geben würde, für Jizchak zur Frau auswählen würde. Elieser betete, dass G'tt ihm dieses Zeichen als Lohn dafür gäbe, dass Avraham den Engeln (von denen er dachte, dass sie gewöhnliche Reisende seien) Wasser angeboten hatte.
Der Ba'al HaTurim weist darauf hin, dass wir nicht nur die letzten drei Worte des Pasuks ("im Adoni Avraham") sondern auch die vier letzten Worte ("Chessed im Adoni Avraham") betrachten können. Die Schlussbuchstaben dieser vier Worte lauten "Damim - Dalet Mem Jud Mem", "Blut" auf Deutsch. Dies deutet auf die Bitte von Elieser hin, dass er wegen dem Blut der Akejda, der Bindung von Jizchak - als Avraham bereit war auf G'ttes Befehl zu hören und seinen Sohn Jizchak zu opfern - doch erhört werden möge.
Das Sefer Kischutej Torah befasst sich mit diesem Ba'al HaTurim und stellt folgende kraftvolle Frage: Elieser verfügt über zwei "Verdienste" Avrahams, die G'tt dazu bewegen sollten, seine Gebete zu erhören. Ein Verdienst war die Bindung Jizchaks und der andere die Tatsache, dass Avraham den Gästen Wasser angeboten hatte. Diese Verdienste waren jedoch überhaupt nicht miteinander vergleichbar.
Wieso soll er das Anbieten von Wasser überhaupt vorbringen, wenn der Verdienst der Akejda zur Verfügung stand? Wir erwähnen an Rosch Haschana schliesslich auch nur der Verdienst der Akejda und nicht das Wasser, das den Engeln angeboten wurde. In allen unseren Gebeten ist immer die "Akejda" die Karte, die sticht. Und doch bittet Elieser, er möge wegen dem Verdienst des Wasserreichens erhört werden. Die Akejda ist fast nur noch eine Zugabe. Warum wohl?
Der Kiduschej HaTora schreibt, dass der Ba'al HaTurim seine Worte sorgfältig wählte. Als er das Verdienst des Wasseranbietens erwähnte, sagte der Ba'al HaTurim "b's'char" ("als Belohnung"). Bei der Erwähnung der Akejda sagte der Ba'al HaTurim jedoch nur "b'sechut" ("wegen dem Verdienst").
Zweifellos ist die Bindung Jizchaks gemessen am "Sechut", am Massstab der Grösse einer Handlung, bei weitem wichtiger als das Anbieten von Wasser an Reisende. Aber das Ausüben von Chessed (Wohltätigkeit) gegenüber einem Mitmenschen schafft eine Dankesschuld des Herrn der Welt. Wenn wir einem Mitmenschen Gutes tun, so "schuldet uns G'tt etwas", sozusagen.
Das Erfüllen der Gebote zwischen Mensch und G'tt (wie es die Akejdat Jizchak war) ist eine grossartige Sache. Damit jedoch steht G'tt nicht "in unserer Schuld". Die einzige Möglichkeit, G'tt zu einer Dankesschuld gegenüber uns zu bringen, ist, sich zu bemühen den Anderen zu helfen. Dies schafft eine "Schuld" G'ttes.
Darum bezeichnet es der Ba'al HaTurim "eine Belohnung" für das Anbieten von ein wenig Wasser. Elieser bat um eine Rückzahlung. Wenn wir zu G'tt beten und ihn bitten, uns für unsere Taten "zurückzuzahlen", ist unser ergiebigstes "Bankkonto" nicht die Einhaltung der Gebote zwischen Mensch und G'tt, sondern die Erfüllung der zwischenmenschlichen Gebote. Weil Avraham sich die Mühe nahm und dem Anderen etwas von sich gab, schuf er eine Dankesschuld bei G'tt. Und im entscheidenden Moment konnte Elieser beten, dass diese gute Tat "eingelöst werde" und eine "Rückzahlung" verlangen.
Quellen und Persönlichkeiten: Baal HaTurim (1268 1340): Torah-Erklärung von Rabbi Ja‘akov ben Ascher, der auch den Tur schrieb, eine frühe, jüdische Gesetzessammlung. Erste Ausgabe 1514 in Konstantinopel.
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