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Weshalb waren die Götzendiener in Aram Naharajim besser als diejenigen im Lande Kana'an?

Elieser erhielt den Auftrag: "...nimm meinem Sohn keine Frau von den Töchtern der Kana'aniter, in deren Mitte ich wohne; gehe vielmehr in mein Vaterland und zu meiner Verwandschaft und nimm dort eine Frau für meinen Sohn Jizchak" [Berejschit 24:3-4]. Avraham bestand darauf, dass seine zukünftige Schwiegertochter aus seiner eigenen Familie stammen sollte. Dies beschäftigt die Bibelkommentatoren, denn sowohl die Bewohner Kana'ans als auch die Familie Avraham's waren doch Götzendiener. Was war denn der Vorzug der einen Partie gegenüber der anderen?

Der Draschot haRa'n antwortet wie folgt: Obwohl Avraham's Familie eigentlich Götzen diente, besassen sie doch gute Midot (Charakterzüge). Die Kana'aniter waren hingegen nicht nur im religiösen Sinn korrupt, sondern auch grundsätzlich unfreundlich und selbstsüchtig. Sie hatten schlechte Charaktereigenschaften. Die chassidischen Denker erklären (auf chassidische Art mit einem Wortspiel), dass Avraham das Problem mit den kana'anitischen Frauen mit folgenden Worten andeutet "...in deren Mitte ich wohne". Das Problem mit ihnen war, dass ihr "Ich" immer in ihrer Mitte war - sie waren egoistisch und dachten nur an sich selbst.

Es stimmt zwar, dass die Familienangehörigen Avraham's auch Götzendiener waren, aber wenigstens waren sie erbarmungsvoll und aufrichtig (Ba'alej Midot).

Diese Antwort des Draschot haRa'n machte mich immer stutzig. Können Lavan und Betuel als Leute mit beispielhaften Charaktereigenschaften gelten? Sie waren sie doch auch geldgierig und falsch? Was meint denn hier der Ra'n genau? Ich sah, dass Rav Nissan Alpert szl, sich mit dieser Frage beschäftigte. Er bemerkt, dass Lavan und Betuel im Grunde genommen anständige Menschen waren. Sie besassen gute Gene. Sie hatten die gleichen Gene wie Avraham Avinu - sie besassen Grosszügigkeit. Ihr war, dass sie in einem Land lebten, in dem jedermann Götzen diente. Ihnen fehlte Avraham's Rückgrat - die Fähigkeit, hinzustehen und zu sagen: "Ich werde diese Götzen nie anbeten." Sie wussten, dass diese Lügengebilde waren, aber sie verfügten nicht über die Stärke, um zu ihrer Ueberzeugung zu stehen und zu sagen: "Ich bin anders."

Wie sollten sie tun? Sie machten es ihren Nachbarn gleich. Sie lebten ein Doppelleben. Sie gingen ins Büro. Sie beteiligten sich an der Avodah Sarah (Götzendienst), wohin sie auch gingen, weil sie nicht den Mut hatten `Nein`zu sagen. Sie machten aus gesellschaftlichen und beruflichen Gründen mit. Die Wirkung dieser über längere Zeit gelebten Lüge war jedoch, dass die Lüge zur Wirklichkeit wird. Vom psychologischen Gesichtpunkt aus, ist es für einen Menschen schrecklich, mit zwei Gesichtern leben zu müssen. Spielt jemand dieses Spiel über längere Zeit mit, zeigt es seine Wirkung. Wenn jemand viele Jahre lang vorgibt, dass er ein scheusslicher Mensch ist, dann wird er schliesslich zu einem Scheusal, trotz seinen guten Eigenschaften und den guten Genen.

Das sagte Avraham zu Elieser: "Die Leute dort sind grundsätzlich gut. Ihre Charaktereigenschaften sind grundsätzlich in Ordnung. Rivka ist noch ein junges Mädchen. Sie lebt noch kein Leben in Lüge. Sie kann noch gerettet werden. Sie ist noch nicht wie Lavan oder Betuel geworden - geldgierig und begehrlich. Sie ist noch unverdorben. Deshalb, nimm sie. Sicherlich, sie wurde in einem Haus von Götzendienern aufgezogen, aber ihr Charakter ist gut." Wie wir alle wissen, zählen bei einem Ehepartner vor allem seine Charaktereigenschaften, wie Selbstlosigkeit, Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft. Dies macht eine gute Ehe aus. Es waren Rivka's gute Eigenschaften, welche Elieser schliesslich überzeugten, dass Rivkah die richtige Frau für Jizchak war; die Frau, die geeignet war, zusammen mit Jizchak das jüdische Volk zu gründen.


Quellen und Persönlichkeiten:
Ra'n: Rabbi Nissim ben Jakob (gest. 1040): Talmuderklärer in Kairuan, Aegypten.
Rav Nissan Alpert [Limudej Nissan] (gest. 1986): Rav der Agudah Long Island in Far Rockaway und Lehrer an der Jeschiwa "Rabbenu Jitzchak Elchanan". New York City.



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