Die Botschaft gilt für meinen Bruder - nicht für mich!
Kain und Hewel (Abel) brachten beide G'tt ein Opfer. G'tt nahm Hewels Opfer an, das von Kain hingegen nicht. Kain ärgerte sich sehr über diese Zurückweisung. G'tt erkundigte sich bei Kain, wieso er sich so ärgere. "Wenn du Gutes tun wirst (von jetzt an und dir bei künftigen Opfern mehr Mühe gibst - denn aus diesem Grund habe ich dein Opfer zurückgewiesen) so wird dir vergeben. Wenn du dich jedoch nicht besserst, dann wird der böse Trieb immer bei dir verweilen. Er ist immer hinter dir her, doch du kannst ihn besiegen." [Berejschit 4:7] Dies ist der erste bekannte "Mussar Schmuss" (Vortrag zur ethischen Verbesserung) der Weltgeschichte.
Der folgende Pasuk sagt: "Und Kain sprach mit Hewel, seinem Bruder. Und es geschah auf dem Feld, dass Kain sich gegen seinen Bruder Hewel erhob und ihn tötete." [4:8] Die Erklärer befassen sich mit einer Frage, die auf der Hand liegt. Wir lesen, dass Kain seinem Bruder etwas sagte, aber wir wissen nicht, was er sagte. Worum ging es in diesem Gespräch? Was sagte Kain dem Hewel, bevor er ihn tötete?
Der Ibn Esra gibt uns eine sehr einfache Erklärung, die sehr gut in den Erzählfluss hineinpasst. Der Ibn Esra erklärt, dass Kain dem Hewel G'ttes ethischen Vortrag wiedergab. Er erzählte Hewel, was er von G'tt vernommen hatte und tötete ihn daraufhin.
Rabbi Ze'ev Leff erklärt, dass Kain auf folgende Weise auf G'ttes "Mussar Schmuss" reagierte: "Dieser Vortrag gefällt mir, aber mit mir hat das nichts zu tun! Das ist nicht meine Sache. Ich will das meinem Bruder Hewel weitersagen. Er ist es, der ein wenig Zurechtweisung nötig hat."
Hewel nahm den Mussar (Zurechtweisung) von Kain nicht an. "Kain, du sprichst mit dem Falschen." Daraufhin tötete Kain den Hewel. Das war der erste "Mussar Schmuss" der Geschichte und darauf folgte die klassische Antwort auf jeden "Mussar Schmuss": "Das gilt nicht für mich!"
Manchmal halte ich an gewissen Orten einen Vortrag und erwähne bestimmte Gedanken mit etwas Herzklopfen. Ich fürchte, dass ich die Menschen verletze. Sie könnten meine Bemerkungen vielleicht falsch auffassen und meinen, dass ich sie beleidigen will. Aber die Leute sagen immer wieder: "Es war eine grossartige Rede. Es ist wirklich schade, dass die Leute, die diese Rede nötig hätten, nicht hier waren."
Das ist die klassische Antwort zu jedem ethischen Vortrag, der etwas bewegen will. Der Ursprung liegt bei Kain. "G'tt hat diesen Vortrag nicht an MICH gerichtet." (Man muss bedenken, dass es zu dieser Zeit erst sehr wenige Menschen auf der Welt gab.)
Der Talmud sagt, dass man einem hebräischen Sklaven, der nach sechs Jahren nicht freikommen will, das Ohr löchern soll und ihm sagen soll: "Das Ohr, das am Sinai hörte ‚ihr sollt Meine Knechte sein‘ (und nicht Knechte von anderen Knechten) und diese Mahnung nicht beachtete, soll gelöchert werden". Man kann sich jedoch fragen, wieso wir gerade das Ohrläppchen löchern? Das ist nicht der Teil des Ohres, der hört! Wenn diese Lektion sinnvoll sein sollte, müssten wir die Ohrmuschel mit einem Loch versehen! Was hat das Ohrläppchen mit dem Hören zu tun?
Die Antwort ist, dass das Ohrläppchen die Aufgabe hat, den Ton zu lenken. Die Ohrmuschel hat sicherlich die Botschaft am Sinai vernommen, aber sie war nicht korrekt gelenkt worden. Die Botschaft wurde zu jemand anderem hingelenkt. "Das geht mich nichts an. Die Botschaft ist für jemand anders gedacht." Das ist nicht der Fehler der Ohrmuschel; es ist der Fehler des Ohrläppchens, dessen Aufgabe es gewesen wäre, die Botschaft zum richtigen Empfänger zu lenken.
Quellen und Persönlichkeiten: Avraham Ibn Esra (1098 1167): Rabbiner, Gelehrter, Bibelerklärer; Toledo, Calahorra; Spanien. Rabbi Ze'ev Leff: Rabbi und Rosch Jeschiwa im Moschav Matitjahu, Israel.
Rav Frand, Copyright © 2007 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum.
Weiterverteilung ist erlaubt, aber bitte verweisen Sie korrekt auf die Urheber und das Copyright von Autor, Project Genesis und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum und auf
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
, sowie www.torah.org.
|