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Rav Josef Salant: Fülle die Welt, aber mache dich nicht am Verborgenen zu schaffen

Der Pasuk (Vers) lehrt: "Und G'tt segnete sie und sagte ihnen; "Seid fruchtbar und vermehret euch, füllt die Welt und macht sie euch untertan" [Bereschit 1:28]". Dies ist die Mizwa (Gebot), Kinder zu haben und die Welt zu bevölkern. Ich sah eine Erklärung, die vielleicht homiletisch ist, für das Wort "Kiwschuha" ("und mache sie dir untertan") von Rabbi Josef Salant in seinem Werk Be'er Josef. Rav Josef Salant weist darauf hin, dass wir die Wurzel dieses Wortes "Kiwschuha" auch in einem anderen Zusammenhang finden.

Der Talmud erzählt [Berachot 10a], dass König Chiskijahu keine Kinder haben wollte. Er wurde sehr krank. Der Prophet kam zu ihm und sagte: "Du wirst in dieser Welt sterben und du wirst auch in der künftigen Welt nicht leben" [Jeschajahu 38:1].

Jeschajahu machte Chiskijahu Vorwürfe und fragte ihn, wieso er keine Kinder haben wolle. Der König antwortete ihm, dass der Grund dafür nicht sei, dass Kinder für ihn eine Last wären; vielmehr sähe er mit prophetischem Blick, dass seine Nachkommen durch und durch verdorben sein würden. Er wollte nicht der Mitverursacher solcher Nachkommen sein. Deshalb wollte er keine Kinder haben.

Der Talmud sagt, dass der Prophet König Chiskijahu erklärte: "Ist es deine Aufgabe, dich in die verborgenen Dinge G'ttes ("Kawschej deRachmana") einzumischen? Du hast zu tun, was man dir sagt. Höre auf, Pläne aufgrund von Begebenheiten der verborgenen Welt ("Kiwuschim") zu schmieden."

In Wirklichkeit gab es schon früher eine Situation, in dem der Gedankengang, keine Kinder zu haben, verfolgt wurde. Chiskijahu war nicht der Erste. Unsere Weisen erzählen, dass Amram vom Stamme Levi seine Frau verliess, weil er Kinder nicht in einer Welt haben wollte, die nachher in den Nil geworfen würden. Es war seine Tochter Mirjam, die ihm sagen musste, dass dies nicht der rechte Weg sei und dass er zu seiner Frau zurückkehren solle. Diese gebar dann Mosche, der das jüdische Volk aus Ägypten führte.

Amram dachte wiederum: "Wieso soll ich Kinder in diese Welt bringen?"

Diese Dinge sind jedoch "Kawschej deRachmana" (die verborgenen Bereiche G'ttes), in die wir uns nicht einmischen sollten.

"Dies", so sagt der Be'er Josef, "ist die Bedeutung dieses Wortes in unserer Parscha – seid fruchtbar und vermehrt euch, füllet die Welt, we'Kivschuha." Versuche nicht die verborgene Welt zu erforschen. Tue nur, was DU zu tun hast.

Der Midrasch sagt im Namen von Rabbi Berachja, dass sich G'tt darüber auch Gedanken machte, als Er den Menschen erschuf. G'tt wusste, dass er nicht nur Gerechte erschuf, sondern dass es auch Menschen geben würde, deren Nachkommen Bösewichte sein würden. G'tt sagte: "Ich will mich vor ihnen verbergen." Es ist, als ob G'tt sagen würde: "Ich erschaffe den Menschen und ich schaue nicht (in die Zukunft). Was sein wird, soll sein."

G'tt schuf den Menschen mit der Gabe, frei wählen zu können, obwohl er wusste, dass nicht jeder ein Gerechter sein würde. Deshalb müssen sich auch die Menschen danach halten. Wenn es darum geht, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren, können wir nicht immer unsere Berechnungen anstellen. "Ist es der richtige Zeitpunkt?" "Ist das der richtige Ort?" Wir haben zu tun, was uns befohlen wurde.

Wir kennen Leute in unserer Generation, die in Schanghai ihren Eltern geboren wurden, die vor Hitler jimach Schemo (möge sein Name ausgelöscht werden) geflohen waren. Sie sassen in China in der Patsche. Sie wussten nicht, wo sie ihre nächste Mahlzeit bekommen würden. Ihre Vergangenheit war zerstört, ihre Zukunft unsicher. Ein Jude aber macht weiter und bringt die nächste Generation auf diese Welt.

Befasse dich nicht mit der versteckten Welt (Kiwschuna); ein Mensch muss seine Pflicht tun. Die Pflicht eines Juden ist, die Gebote ohne weitere Gedankenspiele zu erfüllen. G'tt sagt: "Tu' es." Deshalb ist es richtig.

Neziw: „Pech" hat derjenige, der mit einer braven Frau verheiratet ist

Der Pasuk sagt: "Es ist nicht gut für den Menschen, wenn er alleine ist. Ich werde ihm eine Gefährtin, ihm gegenüber, erschaffen" [Bereschit 2:18].

Wir alle kennen die Erklärung von Raschi zu diesem Schriftvers. "Was gilt?" fragt Raschi. "Muss die Frau dem Ehemann zur Seite stehen oder ist sie diejenige, die dem Ehemann gegenüber steht, quasi seine Gegenspielerin?" Raschi antwortet: "Wenn ein Mann („sacha")das Glück hat, die richtige Frau zu heiraten, wird sie ihm zur Seite stehen; wenn („lo sacha") nicht, so wird sie seine Widersacherin."

Der Neziw gab an den Schewa Brachot (einem Festessen mit den sieben Segenssprüchen zur Hochzeit) seiner eigenen Enkelin (die Rabbi Chajim Soloveitschik heiratete) seine eigenen Gedanken (gerade das Gegenteil von Raschis Auslegung) über diesen Widerspruch zum Besten.

Der Pasuk (Vers) in Mischlej (Sprüche Salomons) sagt: "weil der Weg eines jeden Menschen gut ist in seinen Augen …" [Sprüche 21:2]. Jeder meint, er tue das Richtige. Ein Mensch erkennt seine eigenen Fehler und Schwächen nicht. Wir selbst sind unsere besten Freunde. Andererseits sind wir blind, wenn es darum geht, unsere eigenen Taten zu beurteilen.

>Und doch: Einem Fremden können wir nicht immer trauen. Wir wissen nicht immer, ob dieser Mensch nur unser Bestes im Sinne hat. Wie können wir dieses Problem lösen? Welche Person liebt mich genügend, sodass ich sicher sein kann, dass sie nur das Beste für mich will und andererseits ein unabhängiger Mensch mit einem objektiven Urteilsvermögen ist? Um dieses Problem zu mildern, so sagt der Neziw, hat G'tt die unterschiedlichen Geschlechter geschaffen. G'tt unterschied die Frau vom Mann und Er schuf die Institution der Ehe.

Es ist die Frau, die Ehefrau, die ihren Mann so liebt, wie er sich selbst und doch hat sie den Vorteil, objektiv zu sein. Sie hat den Vorteil, dass sie alles von aussen sieht und ihrem Mann sagen kann: "Was du tust, ist nicht recht." Das ist eine wunderbare Eigenschaft der Ehe.

Dies ist die Auslegung von "eine Gefährtin, ihm gegenüber". Sie wird seine Gefährtin, so wie G'tt es im Sinn hatte, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt. Sie tut es, indem sie sein "kenegdo", sein "gegenüber" ist, und ihrem Mann hie und da auch sagt: "So nicht!" Wie soll ein Mensch denn sonst wissen ober er richtig oder falsch liegt? Wer wird ihm sonst je sagen, dass er etwas falsch macht, wenn jedermann in seinen eigenen Augen immer Recht hat (siehe Sprüche Salomos)?

Deshalb, sagte der Neziw, wird diejenige Frau, die sich ihrem Mann manchmal entgegenstellt, um ihm zu sagen, dass er im Unrecht ist, seine beste Gefährtin. Heiratet hingegen jemand eine Frau, die brav immer nur nickt und ihrem Ehemann nicht sagt, dass er unrecht hat, gerät er in die Situation von "Lo Socha"- er hat diesen Verdienst nicht.

Das sagte der Neziw seiner Enkelin, als sie Rav Chajim Soloveitschik heiratete.

Quellen und Persönlichkeiten
Rav Josef Salant: Berühmter Rabbiner im Jerusalem des frühen 20. Jahrhunderts; Autor des Buches Be'er Josef.
Neziw (1817 – 1893): Abkürzung für Rav Naftali Zwi Jehuda Berlin. Rosch Jeschiwa der Jeschiwa in Woloschin; Verfasser des Kommentars "Ha'emek Dawar" über das Chumasch.
Rav Chajim Soloveitschik (1853 – 1918): Rosch Jeschiwa in Woloschin, anschliessend Rabbi in Brisk (bekannt als "Reb Chajim Brisker")



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